35 Jahre Journal Graz

Die Journal Graz Geschichte

„Nicht reich muss man sein, sondern unabhängig!“ Dieser Spruch des amerikanischen Börsenkolumnisten André Kostolany könnte bei uns über der Eingangstür prangen. Denn Unabhängigkeit prägt unser gesamtes Leben. Nur eines steht noch darüber – und über allem anderen: die Familie!

Gründung. 1989 war es endlich so weit, der Wunsch, eine eigene Zeitung herauszugeben, wurde verwirklicht. Das Risiko, das mit solch einem Unterfangen verbunden ist, war uns als frischgebackenen Herausgebern bewusst. Doch wir waren bereit, es einzugehen. Somit war 1989 das Journal West geboren – mit einer Auflage von 48.000 Exemplaren. Verteilt wurde es, wie der Name schon sagt, im Westen von Graz, gratis an jeden Haushalt. Nach dem fulminanten

Start ging es mit viel Arbeit weiter. Alle Beteiligten waren guter Dinge, die Sache fing an, richtig Spaß zu machen. Einziger Wermutstropfen: Der Kampf um die Anzeigenkunden war schon damals äußerst schwierig. Für die richtig großen Inserenten war das Journal West zu auflagenschwach.

Inserenten. Eine ganze Reihe von Grazer Kunden wollte per Inserat in der nächsten Ausgabe vertreten sein. Immer stärker tauchte die Notwendigkeit von mehr und zahlungskräftigeren Inserenten auf. Auf Dauer würde man um eine gesteigerte Auflage und eine damit verbundene Namensänderung nicht herumkommen. Hier wollte wir als ansonst unerschütterliches Medienduo doch auf Nummer sicher gehen. Erst mussten die Inserate für die Pilotausgabe der ersten Ausgabe im Haus sein. Und außerdem – welchen Titel sollte sie bekommen? Vom Journal wollten wir nicht ablassen, da sich dieser Titel bislang gut bewährt hatte. Also wurde zur nächstliegenden Lösung gegriffen: weg mit dem Zusatz „West“ und her mit „Graz“.

Der neue Titel. Bis sich der neue Titel Journal Graz in den Köpfen der Grazer durchgesetzt hatte, floss viel Wasser die Mur hinunter. Viele Leser beharrten noch Jahre danach auf den Namen „Journal West“, andere wiederum sprachen vom Stadt Journal – das war überhaupt nicht in unserem Sinne. Schließlich gab es eine Zeitung dieses Namens tatsächlich, die brachte jedoch der Mitbewerber heraus. Trotz dieser namentlichen Irrungen und Wirrungen lief das Projekt Journal Graz wunderbar. Und dass der eine oder andere noch immer „Graz Journal“ sagt, störte uns nicht wirklich.

Doch die Zeit stand nicht still. Die Technik wurde immer moderner und besser und 1991 beschloss unsere Journalistin Martina Hochkofler, sich beruflich zu verändern und sich selbstständig zu machen. Allerdings verließ sie das Journal Graz nicht, ohne Ulli Glettler als ihre Nachfolgerin vorzuschlagen. Das sollte sich als eine gute Idee herausstellen. Das erste Treffen fand ganz feudal im Flughafenrestaurant statt. Was ursprünglich als Geschäftsessen gedacht war, entwickelte sich recht schnell zu einem gemütlichen Abendessen. Ulli Glettler und ich spürten rasch, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Schnell merkten das auch die anderen Gesprächspartner. Denn wo wir, das „neue dynamische Duo“ vom Journal Graz, auftauchten, war Spaß angesagt. Gemeinsam machten wir die Grazer Szene unsicher und arbeiteten bis zum Umfallen. Der Schreibstil von Ulli Glettler und die gelungenen Fotos von mir – eine Kombination, die überall gut ankam und sehr beliebt war.

Umzug in eigene Redaktion. Im Juli 2000 endlich wurde ein Traum wahr. Das neu gebaute Eigenheim in Seiersberg mit separaten Redaktionsräumen konnte bezogen werden. „Lieber Kreditraten als Mietzahlungen“ lautet seitdem die Devise. Der Umzug ist heute noch allen Beteiligten in Erinnerung. Alle gingen dabei an ihre Grenzen, doch niemand machte schlapp. Dass die Entscheidung für das Eigenheim absolut die richtige war, zeigt sich daran, dass seitdem mit noch mehr Schwung und Elan gearbeitet wird. Mit Elisabeth Kropf, „Lissi“, bekamen wir eine junge talentierte Schreiberin, die es in kürzester Zeit zur eigenen Kolumne schaffte und unsere Leser begeisterte.

Viele Jahre ergänzte auch Journalist Siegi Lindner das Journal Graz-Team, er war ebenfalls nicht nur mit der Zeitung, sondern auch mit uns eng verbunden. Dr. Johannes Koren fungierte von Beginn an als Kulturbegleiter des Journal Graz im Hintergrund, worauf wir besonders stolz waren. Weitere freie Reporter bereichern immer wieder in dankenswerter Weise die diversen Ausgaben mit ihren Geschichten.

So erfolgreich die Geschichte des Journal Graz auch verlief, es gab dennoch nicht nur Höhen. Immer wieder hatten wir gemeinsam die eine oder andere Talfahrt zu überstehen. Vor allem, als neue Medien auf dem Markt auftauchten und der Kuchen weiter schrumpfte, wurde der Kampf um die Existenz immer härter. Doch egal, wie scharf der Wind dem Journal Graz um die Ohren pfiff, meine Familie und das Team hielten zusammen. Im Nachhinein betrachtet gingen alle aus solchen Krisenzeiten stets gestärkt hervor.

Auszeichnung. Den eigenen Lebenstraum in die Tat umzusetzen, davon leben zu können, dabei die eigene Unabhängigkeit zu wahren und parallel dazu immer für andere Menschen (Familie und andere, die Hilfe brauchen) da zu sein – eine enorme Leistung einer Familie, der die Mitarbeiter und Leser, aber auch Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bis in die höchsten Kreise Österreichs mit Recht großen Respekt zollen! Als größte Anerkennung wurde ich 2009 mit dem „Goldene Ehrenzeichen“ des Landes Steiermark ausgezeichnet. Zu meinem 25-jährigen Jubiläum am 28. März 2014 wurde mir das „Steirische Landeswappen“ und im September 2019 von der damaligen Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein der Titel Kommerzialrätin verliehen.

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