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Kinder brauchen wieder mehr Schule im Leben


Elisabeth Meixner steht als steirische Bildungsdirektorin an der Spitze einer Behörde, die für rund 147.300 Schüler verantwortlich ist. Doch wer mit ihr über Schule spricht, merkt schnell: Hier spricht nicht zuerst die Behördenchefin, sondern eine Pädagogin aus Leidenschaft. Eine Frau, die fast 20 Jahre selbst unterrichtet hat, klare Grenzen fordert und vor der „Digitalisierungsfalle“ warnt – und die sich für Kinder vor allem Geborgenheit, Zuversicht und eine sichere Zukunft wünscht.

Eigentlich begann alles in einer Großfamilie. Elisabeth Meixner wuchs mit fünf Schwestern und drei Brüdern auf, eine Lehrerin wurde früh zu ihrem großen Vorbild. Der Wunsch, selbst Pädagogin zu werden, lag nahe. Nach der damaligen Pädagogischen Akademie begann sie in den 1980er-Jahren zu unterrichten – fast 20 Jahre lang und, wie sie sagt, „mit Leib und Seele“. Dass sie heute noch ehemalige Schüler ansprechen und ihr sagen, sie sei für sie ein Vorbild gewesen, ist für Elisabeth Meixner bis heute eines der schönsten Komplimente.
Und manchmal kommt die Sehnsucht nach dem Klassenzimmer zurück. Wenn sie eine Schule besucht, denkt sie sich noch heute: „Meine Güte, was ist das für ein großartiger Beruf.“ Kinder bilden, sie begleiten, ihnen etwas für ihr Leben mitgeben – darin sieht sie nicht nur eine schöne Aufgabe, sondern eine enorme Verantwortung.
Ihr eigener Weg führte sie Schritt für Schritt von der Lehrerin über Lehrerfortbildung und Personalvertretung in den damaligen Landesschulrat. 2005 wurde sie Vizepräsidentin, 2013 Präsidentin. Nach der Neuorganisation der Schulbehörden stellte sie sich dem Auswahlverfahren und wurde 2019 Bildungsdirektorin. Heute befindet sie sich in ihrer zweiten Funktionsperiode. Karriere um jeden Preis sei dabei nie ihr Antrieb gewesen. „Mich haben immer andere dazu motiviert“, erzählt sie. Es brauche Menschen, die Fähigkeiten erkennen und einem auch etwas zutrauen.
Heute trägt Elisabeth Meixner Verantwortung gemeinsam mit der politischen Ebene und Mitarbeitern der Bildungsdirektion für nahezu alle Schularten der Steiermark. 147.283 Schüler besuchen im laufenden Schuljahr die erfassten Schularten, allein 12.277 Kinder starteten heuer in der ersten Klasse Volksschule. Doch bei all den Zahlen ist Meixner eines besonders wichtig: „Wir sind keine Verwaltungsbehörde, sondern eine Bildungsbehörde.“ Im Mittelpunkt müssten Schulen, Lehrer und vor allem die Kinder stehen – mit ihren Begabungen, aber auch mit ihren psychischen und körperlichen Belastungen.

„Kinder sind ein Spiegelbild der Gesellschaft“
Dass Schule heute vor anderen Herausforderungen steht als noch zu Beginn ihrer Laufbahn, beschönigt Elisabeth Meixner nicht. „Die Kinder sind ein Spiegelbild der Gesellschaft.“ Diese sei fordernder geworden, Erziehungsstile hätten sich verändert, hinzu komme eine multikulturelle Gesellschaft. Auch Gewalt sei an Schulen ein Thema. Suspendierungen dürften für sie allerdings nur dort erfolgen, wo Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt. Wichtig sei, betroffene Kinder anschließend nicht einfach sich selbst zu überlassen. Dafür gibt es unter anderem Suspendierungsbegleitung sowie mehr Unterstützung durch Schulpsychologie und Schulsozialarbeit.
Gleichzeitig sagt Meixner klar: Lehrer brauchen wieder mehr Möglichkeiten, Grenzen durchzusetzen. Autorität ist für sie nichts Negatives. Ein guter Lehrer müsse Kindern mit Optimismus begegnen, ihre unterschiedlichen Begabungen erkennen, aber auch Respekt vermitteln und sich Respekt verschaffen können.
Klare Worte findet die Bildungsdirektorin auch bei zwei besonders emotional diskutierten Themen. Sie unterstützt das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren und ist überzeugt, dass es Mädchen schützen kann. Ebenso deutlich ist ihre Haltung zum Handy: Sie befürwortet das Handyverbot in der Schule. Digitale Geräte hätten selbstverständlich ihren Platz im Unterricht – aber eben dort, wo sie sinnvoll eingesetzt werden.
Denn gerade die digitale Welt bereitet ihr Sorgen. Kinder könnten in sozialen Medien mit Inhalten und falschen Vorbildern konfrontiert werden, für die sie noch nicht reif seien. Auch das direkte Miteinander leide: Menschen schauen aufs Handy, statt einander in die Augen zu sehen und miteinander zu reden. Digitale Bildung ja – aber nicht um jeden Preis. Genau deshalb setzt die Bildungsdirektion bewusst auch auf Lesen, Musik, Kreativität, Bewegung, Naturerfahrung und praktisches Arbeiten.
Elisabeth Meixner wünscht sich wieder mehr „Schule fürs Leben“. Neben Mathematik, Deutsch und messbaren Leistungen müssten musische und kreative Fächer, Sport, Bewegung, handwerkliche Fähigkeiten und lebenspraktische Kompetenzen stärker in den Mittelpunkt rücken. „Was braucht das Kind fürs Leben?“, sei eine Frage, die man sich bei Lehrplänen und Unterrichtsinhalten immer wieder stellen müsse.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass gerade Musik dabei für sie eine besondere Rolle spielt. Musik war schon in der Schule ihr Lieblingsfach. Heute spielt Elisabeth Meixner Violine im Orchester der Musikschule Gnas. Auch privat wird musiziert: Ihre Geschwister spielen Instrumente, regelmäßig trifft sich die Familie bei ihr zu Hause zur Volksmusik. Im Orchester darf es klassisch sein, daheim bodenständig. Musik ist für sie Ausgleich – und wohl auch ein Stück Heimat.

Die Frau hinter der Bildungsdirektorin
Dass Elisabeth Meixner Menschen aufmerksam begegnet, hat viel mit ihrer Kindheit zu tun. Als Zweitälteste einer großen Geschwisterschar übernahm sie früh Verantwortung für die Jüngeren. „Ich glaube, ich bin ein sehr fürsorglicher Mensch“, sagt sie. Sorgen anderer nimmt sie durchaus nach Hause mit. Sie denke darüber nach, könne aber meist „etwas Positives darüberlegen“.
Wenn sie frei hat, gehören ihre Enkelkinder, der Wald und ihr Garten zu ihren liebsten Rückzugsorten. Sie kocht leidenschaftlich gerne, bevorzugt regionale und saisonale Produkte und liebt die Südoststeiermark. Gleichzeitig hat sie fast ganz Europa bereist. Besonders angetan hat es ihr Irland – nicht zuletzt wegen der Musik.
Und würde Elisabeth Meixner, könnte sie noch einmal 18 sein, denselben Weg wählen? Ja – wenn es wieder Menschen gäbe, die ihr diesen Weg zutrauen und sie dazu ermutigen.
Am Ende unseres Gesprächs geht es noch einmal um jene, um die sich bei ihr beruflich seit Jahrzehnten alles dreht. Was wünscht sie sich für unsere Kinder – nicht als Bildungsdirektorin, sondern ganz persönlich? Ihre Antwort braucht keine Bildungsstrategie und keinen Lehrplan: „Geborgenheit im Kreise der Lieben. Zuversicht, Optimismus und eine sichere Zukunft.“

Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner

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