Wenn Sebastian über seine Bilder spricht, beginnt er zu lächeln. Der 38-Jährige sitzt in der Malwerkstatt von Jugend am Werk Steiermark, zwischen Skizzen, Farben und sorgfältig gezeichneten Linien. Seit Mai 2021 kommt er jeden Tag hierher. Der Weg dorthin war nicht ganz einfach, aber er hat ihn zu etwas geführt, das ihm wirklich wichtig ist: zur Kunst.
Ursprünglich hat Sebastian das Buchbinderhandwerk gelernt und sogar in der Landesbibliothek gearbeitet. Doch eine Allergie gegen einen bestimmten Leim machte es unmöglich, diesen Beruf weiter auszuüben. Auch ein weiterer Versuch bei Pro Mente scheiterte daran. Plötzlich fehlte eine Beschäftigung. Schließlich fand er seinen Platz bei Jugend am Werk – und in der Malwerkstatt begann eine neue Geschichte.
Sebastian kommt morgens um acht Uhr, frühstückt gemeinsam mit den anderen und setzt sich dann gleich an seine Arbeit. Meist beginnt alles mit einer Skizze. Präzise Linien entstehen mit Geodreieck, Zirkel oder Kreisschablone, denn Genauigkeit ist ihm wichtig. Erst danach greift er zur Farbe. Malen und Zeichnen sind seine große Leidenschaft, doch eigentlich begleitet ihn die Kreativität schon viel länger.
Mit etwa vierzehn Jahren begann er, mit Keramik zu arbeiten. Er brannte seine Stücke im Ofen und bemalte sie mit Glasurfarben. Über die Jahre wurde daraus mehr als ein Hobby – heute steht bei ihm zu Hause sogar ein eigener Keramikbrennofen. Viele Farben, Werkzeuge und Ideen warten dort darauf, umgesetzt zu werden. Als Sebastian in die Malwerkstatt kam, begann er, die Muster und Designs, die er früher auf Keramik gestaltete, auch auf Bilder zu übertragen.
Statt Glasurfarben verwendet er nun Acrylfarben. Beides macht ihm Freude: Auf Papier ist ein Bild schneller fertig, Keramik hingegen hält länger. Für manche Werke braucht Sebastian Wochen oder sogar Monate. Ein Bild entstand von März bis Juni, ein anderes begleitete ihn von August bis März. Geduld gehört für ihn genauso zur Kunst wie die Idee selbst.
Sebastian hat Asperger-Autismus. Für ihn bedeutet das vor allem, dass Konzentration manchmal schwieriger sein kann. Als Kind war er sehr lebhaft, sprang herum und klatschte in die Hände.
Heute ist vieles ruhiger geworden. Wenn ihn etwas wirklich interessiert, kann er sich sehr gut konzentrieren – besonders beim Malen. Dann wird alles um ihn herum still. Vor allem das präzise Ziehen von Konturen oder das genaue Ausmessen beruhigt ihn. In seinem Atelier zu Hause liegt sogar ein Taschenrechner bereit, wenn Maße genau stimmen müssen. „Beim Malen werde ich ganz ruhig und konzentriert“, sagt er. In solchen Momenten ist er vollkommen bei der Sache.
Sebastian ist überzeugt, dass sein Talent besonders im Design liegt. Darauf ist er stolz. Wenn ein Bild fertig ist, fühlt er sich glücklich und zufrieden – besonders dann, wenn es am Ende „schön prächtig aussieht“, wie er sagt. Einige seiner Werke wurden sogar schon verkauft. Vor zwei Jahren hatte er eine eigene Ausstellung, bei der viele Bilder Käufer fanden.
Doch die Malwerkstatt ist für Sebastian mehr als nur ein Ort zum Arbeiten. Nach dem Mittagessen spielen die Künstler gemeinsam Brettspiele, helfen sich gegenseitig und verbringen Zeit miteinander. Sebastian fühlt sich hier wohl. „Wir unterstützen uns“, sagt er.
Auch zu Hause hat er Rückhalt. Er lebt bei seinen Eltern, und oft steht er selbst in der Küche. Kochen und Backen gehören zu seinen Hobbys. Dann arbeitet die Familie als Team: Sebastian kocht, seine Mutter wäscht den Salat.
Für Autismus wünscht er sich vor allem mehr Verständnis. Menschen sollten akzeptieren, dass sich manche anders verhalten oder vielleicht ungewöhnliche Bewegungen machen. Als Kind wurde er manchmal gehänselt, doch er hat gelernt, damit umzugehen. „Es werden viele Menschen wegen irgendetwas verspottet“, sagt er ruhig. Wichtig ist für ihn, sich nicht unterkriegen zu lassen.
Für die Zukunft hat Sebastian klare Wünsche: noch mehr Kreativität. In seinem Atelier arbeitet er derzeit sogar an Wachsmodellen, die später in Bronze gegossen werden sollen. Ton, Farben, Formen – Ideen gehen ihm nicht aus. Und genau das ist vielleicht das Schönste an seiner Geschichte: In der Malwerkstatt darf Sebastian das malen, was ihm einfällt. „Ich bin sozusagen selbstständig“, sagt er mit einem Lächeln. Seine Bilder entstehen aus Geduld, aus Genauigkeit – und aus einem Kopf voller Ideen.
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