Christian Scherer kämpft seit über 30 Jahren für Menschen mit Krebs – mit klarem Blick,
offenen Worten und einer tiefen Menschlichkeit, die unter die Haut geht.
Krebs kommt leise. Er schleicht sich ins Leben, stellt alles auf den Kopf – und hinterlässt oft Ratlosigkeit, Angst und ein Gefühl der Ohnmacht. Für genau diese Momente ist die Krebshilfe da. Christian Scherer, seit über drei Jahrzehnten ihr Geschäftsführer in der Steiermark, sorgt dafür, dass Hilfe dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird. „Ich bin nicht Berater, aber ich sorge dafür, dass unsere Unterstützung genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird - bei den Menschen und ihren Familien.“
Was auf den ersten Blick nüchtern klingt, ist in Wahrheit zutiefst menschlich. Denn Hilfe heißt bei der Krebshilfe: zuhören, verstehen, auffangen. Kostenlos, unbürokratisch und oft schneller, als man es für möglich hält. Ein Beispiel: „Eine Mutter mit zwei Kindern, ohne Job, ohne Partner – das ist keine Seltenheit. Wir sehen die menschlichen Geschichten hinter der Diagnose.“ Der Soforthilfefonds springt ein, wenn das Leben finanziell aus dem Ruder läuft. Und das passiert häufiger, als man denkt. Jeder Fall ist anders – und jede Hilfe maßgeschneidert.
Dass all das kostenlos ist, macht die Sache nicht einfacher – aber umso ehrlicher. Über eine Million Euro braucht die Krebshilfe Steiermark jedes Jahr, ausschließlich aus Spenden. „Und trotzdem: Ich erlebe so viel Großzügigkeit, dafür sage ich DANKE. Am meisten geben oft jene, die selbst kaum etwas haben. Das prägt mein Bild von den Menschen – im besten Sinne.“
15 Mitarbeiter zählt das Team heute – Psychologen, Sozialarbeiter, Pflegeberater. Menschen, die zuhören, auffangen, beraten. Und manchmal auch trösten. „Wir sind dann da, wenn jemand aus dem Krankenhaus heimkommt und das Leben plötzlich ganz still ist.“
Die Zahlen sind nüchtern: 7.100 Menschen erkranken jedes Jahr in der Steiermark an Krebs. Die häufigsten Formen sind Brust-, Prostata-, Lungen- und Darmkrebs. Doch oft sind es nicht nur die Erkrankten selbst, die Hilfe brauchen. „Ein Drittel der Menschen, die zu uns kommen, sind verzweifelte Angehörige. Sie tragen oft eine doppelte Last – weil sie funktionieren müssen, aber selbst am Limit sind.“
Scherer erzählt Geschichten, die berühren. Von einem vierjährigen Mädchen, das aufhörte zu sprechen, weil es dachte, es sei schuld an der Krebserkrankung des Vaters. Oder von einem 15-jährigen Burschen, der in der Pubertät stecken blieb, weil ihm niemand mehr Raum für seine eigene Entwicklung gab. „Wir sind da, damit aus Leid keine Langzeitfolgen werden.“
Mobilität ist dabei kein leeres Wort. Die Krebshilfe kommt auch dorthin, wo Menschen nicht mehr außer Haus können. Dank Kooperationspartnern wie dem Roten Kreuz können auch in entlegenen Regionen Beratungen stattfinden. „Es gibt keinen Ort in der Steiermark, den wir nicht erreichen. Und wenn jemand nicht reden möchte – ist auch das auch in Ordnung.“
Das große Ganze verliert Christian Scherer nicht aus dem Blick. Die Krebshilfe betreibt Vorsorgekampagnen wie Pink Ribbon oder Sonne ohne Reue, klärt auf über Früherkennung und Impfungen wie jene gegen HPV. „Jede Krankheit, die nicht entsteht, ist ein menschlicher und wirtschaftlicher Gewinn.“
Zugleich wird die Versorgung komplexer. Neue Immuntherapien schenken Hoffnung, kosten aber teils mehrere Hunderttausend Euro pro Patienten. „Das bringt unser Gesundheitssystem an Grenzen. Wir müssen sicherstellen, dass medizinische Zukunft allen offensteht.“ Die gute Nachricht: Die Überlebenschancen steigen. Heute leben rund 60 Prozent der Erkrankten länger als fünf Jahre nach der Diagnose. „Das macht Mut.“
Wichtig ist Scherer auch die Kontrolle: Die Krebshilfe lässt sich seit über 20 Jahren zertifizieren. „Jeder Cent wird nachvollziehbar verwendet. Verwaltungskosten halten wir bewusst niedrig. Es geht ums Vertrauen.“
Was Christian Scherer selbst antreibt nach all den Jahren? „Ich arbeite nicht für Zahlen, sondern für Menschen. Jeder Euro fließt in echte Hilfe – das spürt man ehrlich.“ In zwei Jahren wird Scherer in Pension gehen. Was er sich wünscht? Einen Nachfolger, der mit derselben Leidenschaft weitermacht. Und einen gesellschaftlichen Blick, der nicht wegschaut, sondern mitträgt.
Privat findet er Kraft in seiner Familie, bei Spaziergängen mit seiner Frau am Plabutsch und in der Musik. „Jazz kann mich richtig runterholen.“ Und was ihm wirklich wichtig ist, sagt er ganz zum Schluss: „Bitte kümmert euch um Menschen, denen es nicht gut geht. Gesund zu sein ist kein Privileg – es ist eine Verantwortung.“
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