Wir reden viel über Strukturen und zu wenig über die Menschen dahinter

Ärztekammerpräsident Dr. Michael Sacherer zählt zu den jüngsten Standesvertretern Österreichs und kennt beide Seiten des Systems: die politische Verantwortung ebenso wie den fordernden Alltag im Krankenhaus. Im Gespräch spricht er über Ärztemangel, junge Mediziner, Reformbedarf, Prävention und darüber, warum gute Gesundheitsversorgung nur dann funktioniert, wenn die Menschen im Mittelpunkt stehen, die sie Tag für Tag tragen.

Herr Dr. Sacherer, Sie sind einer der jüngsten Ärztekammerpräsidenten Österreichs und gleichzeitig weiterhin im Krankenhaus tätig. Gab es einen Moment, in dem Sie sich gefragt haben: „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ Und würden Sie diesen Weg heute noch einmal gehen?

Natürlich gibt es Momente, in denen man sich diese Frage stellt – vor allem an sehr langen Tagen. Aber ich glaube, wenn man Verantwortung übernimmt, dann weiß man auch, dass es nicht immer bequem ist. Ich würde den Weg wieder gehen, weil ich überzeugt bin, dass man Dinge nur dann sinnvoll mitgestalten kann, wenn man im Job bleibt.

 

Wie sehr verändert Ihre tägliche Arbeit im Krankenhaus Ihren Blick auf gesundheitspolitische Entscheidungen – und was ist eine unbequeme Wahrheit über unser Gesundheitssystem, die zu selten offen ausgesprochen wird?

Die tägliche Arbeit im Krankenhaus erdet viele Diskussionen. Man sieht sehr schnell, was in der Theorie gut klingt und in der Praxis nicht funktioniert. Eine unbequeme Wahrheit ist vielleicht, dass wir sehr viel über Strukturen reden, aber oft zu wenig darüber, wie belastet die Menschen sind, die dieses System jeden Tag tragen.

 

Viele junge Ärzte verlassen das System. Was läuft hier grundlegend falsch – und was wird in dieser Debatte oft missverstanden?

Ich glaube, es geht weniger um fehlende Motivation als um die Rahmenbedingungen. Viele junge Kolleginnen und Kollegen wollen sehr wohl im System arbeiten, aber sie wollen auch Planbarkeit, gute Ausbildung und ein Arbeitsumfeld, das langfristig tragfähig ist. Oft wird missverstanden, dass es um Wertschätzung und Perspektiven und nicht nur ums Geld geht.

Was war rückblickend Ihre schwierigste Entscheidung als Arzt – unabhängig von Ihrer Funktion?

Die schwierigsten Entscheidungen sind immer jene, bei denen es keine ideale Lösung gibt. Gerade in der Medizin gibt es Situationen, in denen man zwischen mehreren nicht perfekten Wegen abwägen muss. Das bleibt einem auch dann in Erinnerung, wenn man fachlich weiß, dass man verantwortungsvoll entschieden hat.

 

Sie sprechen oft von Zusammenarbeit: Wo endet für Sie der Kompromiss – und wo beginnt klare Haltung?

Zusammenarbeit ist wichtig, aber sie darf nicht dazu führen, dass wesentliche Punkte verwässert werden. Beim Kompromiss geht es darum, Lösungen zu finden. Klare Haltung braucht es dort, wo es um Versorgungsqualität, Ausbildung oder faire Arbeitsbedingungen geht.

 

Wenn Sie eine einzige Sache im Gesundheitssystem sofort ändern könnten: Welche wäre das – und ist das System Ihrer Meinung nach noch reformierbar oder braucht es einen echten Neustart?

Wenn ich eine Sache sofort ändern könnte, dann wäre das eine bessere Patientenlenkung im System. Wir brauchen mehr Orientierung, mehr Hausverstand in den Abläufen und auch mehr Bewusstsein dafür, welche Anlaufstelle für welches Problem die richtige ist. Dazu gehört aus meiner Sicht auch Patientenbildung – also verständlich zu vermitteln, wie unser Gesundheitssystem funktioniert und wo Eigenverantwortung sinnvoll und notwendig ist.

 

Wie viel Politik verträgt die Medizin – und wie viel medizinische Realität fehlt der Politik?

Medizin und Politik lassen sich nicht trennen, weil Gesundheitsversorgung immer auch organisiert und finanziert werden muss. Gleichzeitig wäre es wichtig, dass politische Entscheidungen noch stärker an der tatsächlichen Versorgungsrealität orientiert werden. Zwischen Papier und Alltag gibt es oft einen recht deutlichen Unterschied. Die Politik trägt mit ihren Entscheidungen aber auch Verantwortung für die Zukunft. Gesundheitspolitische Entscheidungen von heute prägen die Zukunft für morgen. 

 

Wie sieht für Sie ein funktionierendes Gesundheitssystem in zehn Jahren konkret aus – und können wir uns die aktuelle Versorgung langfristig überhaupt noch leisten?

Ein funktionierendes System ist für mich eines, in dem Patientinnen und Patienten rasch die richtige Versorgung bekommen und in dem alle Berufsgruppen gut zusammenarbeiten. Dazu braucht es klare Zuständigkeiten, moderne Prozesse und attraktive Arbeitsbedingungen. Nur wenn Redundanzen vermieden werden und die Versorgung an der richtigen Stelle passiert, werden wir uns die moderne Medizin von morgen leisten können.

Welche Entwicklungen werden das System tatsächlich verändern – etwa neue Arbeitsmodelle oder Digitalisierung – und was wird Ihrer Meinung nach überschätzt?

Neue Arbeitsmodelle werden sicher eine große Rolle spielen, ebenso eine sinnvolle Digitalisierung. Beides kann helfen, Versorgung besser zu organisieren und den Arbeitsalltag zu erleichtern – ganz besonders für Ärztinnen mit Betreuungspflichten. Überschätzt wird manchmal die Vorstellung, dass technische Lösungen allein strukturelle Probleme lösen können. Die direkte Interaktion zwischen Ärztinnen und Ärzten und Patient:innen wird derzeit noch stark geschätzt.

 

Was macht für Sie gute Führung in einem System, das permanent unter Druck steht – und wie gehen Sie persönlich mit Kritik um?

Gute Führung bedeutet für mich, Orientierung zu geben, ansprechbar zu sein und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Gerade unter Druck ist Verlässlichkeit wichtig. In der Medizin gibt es immer wieder kritische Situationen, in denen entschlossenes Handeln Leben rettet. Kritik an Entscheidungen gehört dazu – man muss sie ernst nehmen, aber auch einordnen können.

Sie betonen Prävention: Warum handeln wir als Gesellschaft trotzdem oft zu spät – und was tun Sie persönlich für Ihre eigene Gesundheit?

Prävention ist weniger plakativ als akute Behandlung, deshalb bekommt sie im Alltag nicht immer die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Viele Dinge wissen wir eigentlich, setzen sie aber zu wenig konsequent um. Ich persönlich versuche, auf Bewegung als Ausgleich und einen gewissen Rhythmus im Alltag zu achten – auch wenn das nicht immer perfekt gelingt.

 

Was hat Sie in den letzten Jahren persönlich am meisten geprägt – außerhalb der Medizin? Gibt es etwas, das Ihnen im Alltag oft zu kurz kommt – und wann fühlen Sie sich wirklich zufrieden, unabhängig vom beruflichen Erfolg?

Geprägt haben mich vor allem persönliche Begegnungen und die Erfahrung, wie wichtig ein stabiles privates Umfeld ist. Zu kurz kommt im Alltag wahrscheinlich manchmal die echte freie Zeit ohne Taktung. Wirklich zufrieden bin ich dann, wenn Dinge im Kleinen gut gelingen und auch abseits der Arbeit Raum für Familie, Ruhe und Sport bleibt.

 

Was würde man über Sie nicht erwarten, wenn man Sie nur in Ihrer Funktion kennt – und wann haben Sie zuletzt etwas ganz Neues ausprobiert?

Ich koche leidenschaftlich gerne für Familie und Freunde. Was Neues ausprobiert habe ich auch erst vor kurzem, ich war mit meiner Familie bei einem Töpferkurs.

 

Sie wollten ursprünglich Koch werden: Wenn Sie heute für Freunde kochen – was kommt auf den Tisch, und ist das für Sie eher Ausgleich oder Perfektion?

Zuletzt habe ich Spargel gekocht. Diese saisonale Spezialität ist vielseitig einsetzbar zB mit Fleisch und Pasta. Es ist für mich ideal, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden – besonders lustig ist es, mit den Kindern frische Zutaten einkaufen zu gehen.

 

Wenn Sie morgen einen Tag komplett frei hätten – ohne Verpflichtungen: Wie würde der aussehen?

Wahrscheinlich ziemlich unspektakulär – ausschlafen, in Ruhe frühstücken, Zeit mit der Familie verbringen, Bewegung an der frischen Luft – ich freue mich, bald wieder klettern zu gehen. Gerade weil der Alltag oft dicht ist, weiß man solche freien Tage besonders zu schätzen.

 

Danke für das Gespräch.

  • Aufrufe: 102

Wenn das Zuhause nicht mehr trägt und ein neuer Halt entsteht

In der SOS-Kinderdorf Wohngruppe in Graz-Straßgang finden jugendliche Mädchen in schwierigen Lebenssituationen Stabilität, Beziehung und die Chance auf einen neuen Anfang.

Ein leises Klopfen an der Tür, nicht von einem Menschen, sondern von einem Hund. Dahinter ein Mädchen, verzweifelt, überfordert, nicht bereit zu sprechen. Doch als sie erkennt, wer vor der Tür steht, öffnet sie. Es ist DINO, der Therapiehund. Er darf hinein, bleibt einfach da. Am nächsten Morgen klopft er wieder. Und diesmal ist alles ein bisschen leichter. Es sind solche Momente, die zeigen, worum es im Mädchenwohnen Straßgang in Graz geht: um Vertrauen, um Beziehung – und um die leise, aber kraftvolle Hoffnung, dass sich selbst schwierige Lebensgeschichten wieder zum Guten wenden können.

Im neu gebauten Haus leben derzeit elf Mädchen. Ein zwölfköpfiges Team stellt hier rund um die Uhr jeweils zu zweit die Betreuung sicher.  Seit März 2026 ist die Wohngruppe wieder hier eingezogen – in ein Umfeld, das bewusst wohnlich gestaltet wurde. Jedes Mädchen hat ein eigenes Zimmer, einen eigenen Schlüssel, Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre. Für ältere Jugendliche gibt es sogar kleine Garçonnièren als Zwischenschritt in ein eigenständiges Leben. „Eine gute Beziehung ist unser wichtigstes Werkzeug – wir haben ja sonst nichts“, sagt Pädagogischer Leiter Leopold Auer, der seit vielen Jahren im SOS-Kinderdorf tätig ist. Hier begegnet man sich auf Augenhöhe, man ist per Du, hört zu und bleibt verlässlich an der Seite der Mädchen.

Der Weg hierher ist selten freiwillig. Die Jugendlichen kommen über die Kinder- und Jugendhilfe Österreich, wenn das Leben im Elternhaus nicht mehr stabil genug ist oder Krisen eskalieren. Gewalt, Missbrauch, Suchtprobleme oder psychische Erkrankungen in der Familie gehören zu den häufigsten Gründen. Oft sind es aber nicht einzelne Auslöser, sondern ein Zusammenspiel vieler Belastungen, die Familien an ihre Grenzen bringen. „Niemand ist davor gefeit, in eine Krise zu geraten“, betont Auer. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Problemlagen in den letzten Jahren verschärft haben. Die Fälle sind komplexer geworden, Traumatisierungen reichen oft weit zurück und betreffen nicht selten mehrere Generationen. Psychotherapeutin Elena Schirenc spricht von sogenannten transgenerationalen Traumata, die weitergegeben werden und sich in den Lebensgeschichten der Jugendlichen widerspiegeln.

Die Mädchen sind in der Regel zwischen 10 und 18 Jahre alt, aktuell die jüngsten 15. In manchen Fällen können sie auch länger bleiben, wenn es für ihre Entwicklung notwendig ist. Wie sie diesen Schritt erleben, ist ganz unterschiedlich. Manche kommen ängstlich und verschlossen, andere sind wütend oder bereits sehr reflektiert und wissen genau, was sie verändern wollen. Es gibt Jugendliche, die direkt von zuhause kommen, andere haben bereits mehrere Einrichtungen hinter sich. Was sie verbindet, ist die Hoffnung, dass es besser werden kann – auch wenn diese oft gut versteckt ist.

Der Alltag im Mädchenwohnen ist klar strukturiert, aber flexibel angepasst. Schule, Ausbildung oder Arbeit spielen eine zentrale Rolle. Viele schaffen ihren Schulabschluss hier oder holen Versäumtes nach. Gleichzeitig geht es darum, Schritt für Schritt wieder Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. Einmal pro Woche gibt es ein Gruppengespräch, doch auch außerhalb dieser Termine gilt: Die Tür steht immer offen. Halt entsteht durch Verlässlichkeit, durch Ansprechpartner, durch kleine Rituale. Und oft sind es die leisen Veränderungen, die zeigen, dass sich etwas bewegt. Wenn ein Mädchen wieder beginnt, auf sich zu achten, ihr Zimmer ordnet, hinausgeht, Freunde trifft oder offener wird – dann ist das ein Zeichen, dass Stabilität zurückkehrt.

Die Arbeit ist nicht immer einfach. Rückschläge gehören dazu, ebenso wie belastende Situationen, in denen rasch gehandelt werden muss. Das Team arbeitet eng zusammen, reflektiert regelmäßig und holt sich Unterstützung, wenn es notwendig ist. Denn die Herausforderungen sind groß. Auch die digitale Welt spielt dabei eine wichtige Rolle. Soziale Medien beeinflussen den Selbstwert vieler Mädchen, verstärken Ängste und vermitteln oft unrealistische Bilder. Gleichzeitig fehlen echte Begegnungen, was die Entwicklung zusätzlich erschwert. Dennoch wird das Thema differenziert betrachtet. Smartphones sind erlaubt, der Umgang damit wird begleitet und angepasst, wenn Probleme auftreten.

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist auch die Einbindung der Familie. So weit es möglich und sinnvoll ist, werden Eltern einbezogen, Kontakte gepflegt und Beziehungen gestärkt. Viele Mädchen besuchen ihre Familien am Wochenende, Versöhnung ist keine Seltenheit. Gleichzeitig lernen sie, ihre sozialen Kontakte zu reflektieren und Entscheidungen bewusster zu treffen. Freundschaften sind wichtig, werden aber auch hinterfragt, wenn sie nicht guttun. Besuch ist im Mädchenwohnen grundsätzlich möglich – das Haus ist kein abgeschotteter Raum, sondern ein Ort mit klaren Regeln und gleichzeitig einem hohen Maß an Vertrauen.

Mit der Zeit geht es immer stärker in Richtung Selbstständigkeit. Der erste Schritt ist oft der Umzug innerhalb des Hauses in eine Garçonnière, später folgt betreutes Wohnen in eigenen Wohnungen. Ziel ist es, die Mädchen auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten, ohne sie dabei allein zu lassen. Erfolg zeigt sich dabei auf ganz unterschiedliche Weise. Manchmal in kleinen Fortschritten im Alltag, manchmal Jahre später, wenn ehemalige Bewohnerinnen anrufen, sich bedanken oder sogar mit ihrer eigenen Familie zu Besuch kommen. „Die gute Nachricht ist, dass sich die meisten Fälle positiv entwickeln“, sagt Auer. „Das ist es, was uns trägt.“

Was Jugendliche heute am meisten brauchen, ist für das Team klar: Stabilität, Sicherheit, Orientierung, Zuwendung und das Gefühl, gesehen und verstanden zu werden. Genau das versucht das Mädchenwohnen jeden Tag zu geben – still, verlässlich und mit der Überzeugung, dass aus schwierigen Ausgangslagen wieder Zuversicht entstehen kann.

 

  • Aufrufe: 105

Farben, Formen und ein ruhiger Kopf: Sebastian findet in der Malwerkstatt seinen Weg

Wenn Sebastian über seine Bilder spricht, beginnt er zu lächeln. Der 38-Jährige sitzt in der Malwerkstatt von Jugend am Werk Steiermark, zwischen Skizzen, Farben und sorgfältig gezeichneten Linien. Seit Mai 2021 kommt er jeden Tag hierher. Der Weg dorthin war nicht ganz einfach, aber er hat ihn zu etwas geführt,  das ihm wirklich wichtig ist: zur Kunst.

Ursprünglich hat Sebastian das Buchbinderhandwerk gelernt und sogar in der Landesbibliothek gearbeitet. Doch eine Allergie gegen einen bestimmten Leim machte es unmöglich, diesen Beruf weiter auszuüben. Auch ein weiterer Versuch bei Pro Mente scheiterte daran. Plötzlich fehlte eine Beschäftigung. Schließlich fand er seinen Platz bei Jugend am Werk – und in der Malwerkstatt begann eine neue Geschichte.

Sebastian kommt morgens um acht Uhr, frühstückt gemeinsam mit den anderen und setzt sich dann gleich an seine Arbeit. Meist beginnt alles mit einer Skizze. Präzise Linien entstehen mit Geodreieck, Zirkel oder Kreisschablone, denn Genauigkeit ist ihm wichtig. Erst danach greift er zur Farbe. Malen und Zeichnen sind seine große Leidenschaft, doch eigentlich begleitet ihn die Kreativität schon viel länger.

Mit etwa vierzehn Jahren begann er, mit Keramik zu arbeiten. Er brannte seine Stücke im Ofen und bemalte sie mit Glasurfarben. Über die Jahre wurde daraus mehr als ein Hobby – heute steht bei ihm zu Hause sogar ein eigener Keramikbrennofen. Viele Farben, Werkzeuge und Ideen warten dort darauf, umgesetzt zu werden. Als Sebastian in die Malwerkstatt kam, begann er, die Muster und Designs, die er früher auf Keramik gestaltete, auch auf Bilder zu übertragen.

Statt Glasurfarben verwendet er nun Acrylfarben. Beides macht ihm Freude: Auf Papier ist ein Bild schneller fertig, Keramik hingegen hält länger. Für manche Werke braucht Sebastian Wochen oder sogar Monate. Ein Bild entstand von März bis Juni, ein anderes begleitete ihn von August bis März. Geduld gehört für ihn genauso zur Kunst wie die Idee selbst.

Sebastian hat Asperger-Autismus. Für ihn bedeutet das vor allem, dass Konzentration manchmal schwieriger sein kann. Als Kind war er sehr lebhaft, sprang herum und klatschte in die Hände.

Heute ist vieles ruhiger geworden. Wenn ihn etwas wirklich interessiert, kann er sich sehr gut konzentrieren – besonders beim Malen. Dann wird alles um ihn herum still. Vor allem das präzise Ziehen von Konturen oder das genaue Ausmessen beruhigt ihn. In seinem Atelier zu Hause liegt sogar ein Taschenrechner bereit, wenn Maße genau stimmen müssen. „Beim Malen werde ich ganz ruhig und konzentriert“, sagt er. In solchen Momenten ist er vollkommen bei der Sache.

Sebastian ist überzeugt, dass sein Talent besonders im Design liegt. Darauf ist er stolz. Wenn ein Bild fertig ist, fühlt er sich glücklich und zufrieden – besonders dann, wenn es am Ende „schön prächtig aussieht“, wie er sagt. Einige seiner Werke wurden sogar schon verkauft. Vor zwei Jahren hatte er eine eigene Ausstellung, bei der viele Bilder Käufer fanden.

Doch die Malwerkstatt ist für Sebastian mehr als nur ein Ort zum Arbeiten. Nach dem Mittagessen spielen die Künstler gemeinsam Brettspiele, helfen sich gegenseitig und verbringen Zeit miteinander. Sebastian fühlt sich hier wohl. „Wir unterstützen uns“, sagt er.

Auch zu Hause hat er Rückhalt. Er lebt bei seinen Eltern, und oft steht er selbst in der Küche. Kochen und Backen gehören zu seinen Hobbys. Dann arbeitet die Familie als Team: Sebastian kocht, seine Mutter wäscht den Salat.

Für Autismus wünscht er sich vor allem mehr Verständnis. Menschen sollten akzeptieren, dass sich manche anders verhalten oder vielleicht ungewöhnliche Bewegungen machen. Als Kind wurde er manchmal gehänselt, doch er hat gelernt, damit umzugehen. „Es werden viele Menschen wegen irgendetwas verspottet“, sagt er ruhig. Wichtig ist für ihn, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Für die Zukunft hat Sebastian klare Wünsche: noch mehr Kreativität. In seinem Atelier arbeitet er derzeit sogar an Wachsmodellen, die später in Bronze gegossen werden sollen. Ton, Farben, Formen – Ideen gehen ihm nicht aus. Und genau das ist vielleicht das Schönste an seiner Geschichte: In der Malwerkstatt darf Sebastian das malen, was ihm einfällt. „Ich bin sozusagen selbstständig“, sagt er mit einem Lächeln. Seine Bilder entstehen aus Geduld, aus Genauigkeit – und aus einem Kopf voller Ideen.

  • Aufrufe: 223

Zwischen Lendplatz und Weltblick

DDipl.-Ing. Bernhard Bauer über Unternehmertum, Familie, internationale Perspektiven und warum Graz für ihn weit mehr Potenzial hat, als viele glauben. Manche Menschen tragen Anzug und Titel. Andere tragen Verantwortung, Ideen – und den Drang, etwas entstehen zu lassen. Bernhard Bauer gehört spürbar zur zweiten Gruppe. Er bewegt sich selbstverständlich zwischen Wirtschaft, Stadtleben und Familienalltag, zwischen bodenständiger Nähe am Lendplatz und internationalem Blick über Österreich hinaus. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Hier denkt jemand nicht in Grenzen, sondern in Möglichkeiten. Nicht in Ausreden, sondern in Lösungen. Und vor allem nicht im Stillstand. „Mich treibt ganz klar das Aufbauen an“, sagt Bauer. Ein Satz, der viel über seinen Zugang verrät. Denn ob Startup, Immobilienprojekt oder klassischer Betrieb – Bauer sucht nicht die bequeme Rolle des Beobachters, sondern die des Gestalters. Vielleicht liegt genau darin sein Erfolgsrezept: die Fähigkeit, Chancen früh zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und dabei nie den Bezug zum echten Leben zu verlieren. Zwischen Lendplatz und Weltblick zeigt sich ein Mann, der weiß, wo er herkommt – und zugleich klar vor Augen hat, wohin es gehen kann.

Bauer hat in den vergangenen Jahren in ganz unterschiedlichen Bereichen gegründet, gestaltet und Verantwortung übernommen – von Software-Startups über Immobilienprojekte bis hin zum Hauser am Lendplatz als klassischem Betrieb mit direktem Kontakt zu den Menschen. Gerade diese Vielfalt hat seinen Blick geschärft. Für ihn entsteht Wertschöpfung nicht nur in Zahlenkolonnen oder Strategiepapiere, sondern dort, wo Ideen Gestalt annehmen. Veränderung ist für ihn kein Selbstzweck, sondern die logische Folge davon, Dinge besser zu machen als zuvor.

Ein prägender Wendepunkt seiner Laufbahn war jener Moment, als Adidas in sein erstes Startup einstieg – eine Lösung, die ursprünglich für die Stadt Graz und deren Verwaltung entwickelt worden war. Was folgte, war der Schritt nach Berlin und damit in ein internationales Umfeld. Für Bauer bedeutete das mehr als nur einen Karriereschub. Es war die Frage, ob das eigene Modell auch außerhalb der gewohnten Umgebung bestehen kann. Die Antwort fiel positiv aus – und bestätigte ihn darin, dass gute Ideen keine geografischen Grenzen kennen.

Unternehmertum verklärt Bauer dabei nicht. Im Gegenteil. Er beschreibt es als Achterbahnfahrt mit Höhenflügen und schlaflosen Nächten. Ein Weg, der selten geradlinig verläuft. Wer langfristig erfolgreich sein wolle, brauche Visionen, Ausdauer und die Fähigkeit, sich laufend auf neue Gegebenheiten einzustellen. Kurs halten, wenn es schwierig wird. Verändern, wenn es notwendig ist. Vielleicht ist genau diese Mischung sein Erfolgsprinzip: konsequent bleiben, ohne starr zu werden.

Fragt man ihn, was er Menschen rät, die mit dem Gedanken spielen zu gründen, fällt seine Antwort ebenso klar wie typisch aus: einfach machen. Zu oft, meint Bauer, lasse man sich von Zweifeln bremsen – von äußeren Stimmen ebenso wie von der eigenen Unsicherheit. Wer auf den perfekten Moment wartet, beginnt meist nie. Lernen entstehe nicht nur in der Theorie, sondern vor allem im Tun.

Ebenso deutlich ist sein Blick auf Graz. Bauer sieht in der Stadt enormes Potenzial, das vielerorts noch ungenutzt bleibt. Für ihn ist eine lebendige Stadt ein Ort mit Energie, Frequenz und echtem Leben im öffentlichen Raum. Eine Stadt, in der abends nicht die Gehsteige hochgeklappt werden, sondern in der Menschen bleiben, sich treffen und gerne Zeit verbringen. Gerade mit mehr als 60.000 Studierenden liege in Graz eine enorme Chance. Junge Menschen wollen nicht nur wohnen oder studieren – sie wollen Stadt erleben. Bauer spricht dabei nicht nur über Räume, sondern über Atmosphäre. Über das Gefühl, dass eine Stadt Menschen willkommen heißt, statt sie früh nach Hause zu schicken. Über Orte, an denen Begegnung entsteht und Ideen wachsen können.

Besonders die Mur betrachtet Bauer als unterschätzte Lebensader. Während andere Städte ihre Flussräume mit Gastronomie, Veranstaltungen und Freizeitangeboten selbstverständlich nutzen, bleibe in Graz manches hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wo andere nur Wasser sehen, erkennt er Aufenthaltsqualität, Begegnungsräume und Zukunftspotenzial. Für ihn braucht Stadtentwicklung nicht immer riesige Visionen, sondern oft den Mut, naheliegende Chancen endlich zu nutzen.

Diese Bodenständigkeit zeigt sich auch am Lendplatz. Dort erlebt Bauer die Stadt ungefiltert – direkt, ehrlich und ohne Inszenierung. Kreativszene, Studierende, Unternehmer, Stammgäste: Unterschiedlichste Lebensrealitäten treffen hier aufeinander. Gerade in solchen Begegnungen, sagt er, spüre man oft schneller als anderswo, wie es einer Stadt tatsächlich geht. Vielleicht liegt genau darin einer seiner Zugänge: nicht nur reden, sondern zuhören. Wer täglich mit Menschen spricht, entwickelt ein Gespür dafür, was sie bewegt – und was ihnen fehlt.

Auch privat reicht sein Blick über Österreich hinaus. Seine Frau stammt aus Brasilien, und dieser internationale Zugang hat seine Sicht auf Unternehmertum erweitert. In wirtschaftsstarken Regionen wie São Paulo, erzählt Bauer, werde Unternehmern oft mit großem Respekt begegnet – besonders dann, wenn sie Arbeitsplätze schaffen. In Österreich sei das Verhältnis dazu oft ambivalenter. Für ihn steht fest: Unternehmer sind kein Feindbild, sondern ein zentraler Motor für Wohlstand und Entwicklung. Dieser Blick von außen habe ihn gelehrt, wirtschaftlichen Erfolg nicht kleinzureden, sondern als Chance für viele zu verstehen.

Wer ihn abseits seiner Funktionen erlebt, beschreibt ihn laut eigener Einschätzung als direkt, zielstrebig und lösungsorientiert. Gleichzeitig betont Bauer, dass für ihn alle Menschen gleich zu behandeln sind – unabhängig von Position oder Herkunft. Klarheit in der Sache, Respekt im Umgang: Auch das scheint Teil seines Erfolgsrezepts zu sein. Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und dabei fair zu bleiben – das ist eine Haltung, die im Wirtschaftsleben ebenso zählt wie im Persönlichen.

Und wenn es einen Bereich gibt, der alles relativiert, dann ist es seine Tochter Penélope. Zeit mit ihr sei nicht nur Ausgleich, sondern Perspektive. Probleme, die im Alltag groß erscheinen, würden plötzlich kleiner. Es sind jene Momente, in denen Ruhe entsteht – und oft auch die besten Ideen. Vielleicht ist genau das der Kontrast, der Menschen wie Bauer ausmacht: großer Antrieb auf der einen Seite, bewusste Erdung auf der anderen.

Bernhard Bauer wirkt wie jemand, der nicht darauf wartet, dass sich Dinge verändern. Er verändert lieber selbst etwas. Er denkt in Chancen, wo andere zögern. In Möglichkeiten, wo andere Grenzen sehen. Und in Ergebnissen, wo andere noch diskutieren. Manche reden über Zukunft. Andere bauen sie. Bernhard Bauer gehört zu jenen Menschen, die nicht fragen, ob etwas möglich ist, sondern wie.

 

  • Aufrufe: 107

Gesundheit betrifft jeden – und Politik muss endlich wieder ankommen

Gesundheitspolitik ist für Marco Triller kein abstraktes Thema, sondern eines, das direkt im Alltag der Menschen spürbar wird. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Hier geht es nicht um Schlagzeilen, sondern um Lösungen – und um ein System, das unter Druck steht, aber funktionieren muss.

Marco Triller wirkt im Gespräch weniger wie ein klassischer Politiker, der fertige Antworten abspult, sondern eher wie jemand, der sich in ein Thema hineingearbeitet hat und dabei geblieben ist. Gesundheitspolitik war für ihn nicht von Anfang an ein fixer Schwerpunkt, sondern hat sich erst mit seiner Rolle als Gesundheitssprecher der steirischen Freiheitlichen nach der Wahl 2019 entwickelt. „Mit der Zeit ist daraus auch ein sehr persönlicher Schwerpunkt geworden“, sagt Marco Triller. Vor allem deshalb, weil kaum ein anderes Thema die Menschen so unmittelbar betrifft. Für ihn ist Gesundheit nicht nur ein politisches Feld, sondern ein zentraler Bestandteil von Lebensqualität und Sicherheit im Alltag.

Was Marco Triller in Gesprächen mit Menschen besonders auffällt, ist ein Spannungsfeld, das sich immer wieder zeigt: Auf der einen Seite steht eine große Wertschätzung für Ärzte, Pflegekräfte und Rettungsorganisationen, auf der anderen Seite aber auch eine spürbare Sorge darüber, wie sich das System entwickelt. Genau diese Mischung bleibt bei ihm hängen. Marco Triller sieht darin einen klaren Auftrag an die Politik, diese Sorgen ernst zu nehmen und Lösungen nicht hektisch, sondern mit ruhiger Hand umzusetzen. Als Beispiel nennt er den ersten bundesländerübergreifenden Versorgungsvertrag rund um Bad Aussee, der für ihn zeigt, dass Gesundheitsversorgung nicht an Landesgrenzen enden darf und neue Wege möglich sind.

Grundsätzlich dürfe Gesundheitspolitik aus seiner Sicht nie isoliert betrachtet werden. Es gehe nicht nur um einzelne Bereiche wie Spitäler oder Ärzte, sondern um das Zusammenspiel des gesamten Systems. Ziel müsse eine flächendeckende, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung sein. Ein Fehler wäre es, kurzfristig zu denken oder einzelne Teile gegeneinander auszuspielen. Entscheidend sei, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten und langfristige Lösungen entwickeln. In der Steiermark sieht Marco Triller mit dem Regionalen Strukturplan Gesundheit 2030 und ersten überregionalen Kooperationen bereits Schritte in diese Richtung.

Gleichzeitig spricht Marco Triller auch Dinge an, die nicht immer angenehm sind. „Veränderung ist immer ein Stück weit unangenehm“, sagt er. Das gelte besonders im Gesundheits- und Pflegebereich. Die Gesellschaft werde älter, gleichzeitig gebe es weniger junge Menschen, die das System tragen. Daraus ergebe sich zwangsläufig, dass Reformen notwendig sind, auch wenn sie nicht immer sofort auf Zustimmung stoßen. Für ihn geht es darum, heute Entscheidungen zu treffen, die das System auch in Zukunft stabil halten.

Sein Hintergrund beim Bundesheer prägt dabei nach wie vor seinen Zugang zur Politik. Dort habe er gelernt, strukturiert zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Genau das helfe ihm heute, wenn es politisch hektisch oder konfliktreich wird. Politik sei zwar kein militärischer Einsatz, aber gewisse Grundhaltungen seien durchaus übertragbar.

Als Klubobmann der FPÖ hat sich für Marco Triller vor allem eines als überraschend herausgestellt: die enorme Bandbreite an Aufgaben. Die Rolle beschränke sich nicht nur auf politische Inhalte, sondern umfasse auch Führung, Organisation und Vermittlung. Marco Triller steht einem Landtagsklub mit 17 Abgeordneten und vier Bundesräten vor, führt ein Büro mit mehreren Mitarbeitern und fungiert als Bindeglied zwischen Gesetzgebung und Landesregierung. Dazu kommt eine Vielzahl an Terminen in unterschiedlichsten Bereichen. „Das erste Jahr war intensiver als gedacht“, sagt Marco Triller, „aber genau diese Vielfalt macht die Aufgabe auch spannend.“

Ein Punkt, der Marco Triller besonders wichtig ist und den er als oft missverstanden empfindet, ist die Wahrnehmung von Politik nach außen. Viele hätten den Eindruck, der politische Umgang sei grundsätzlich von Konflikten geprägt. „Oft wird der Diskurs schärfer dargestellt, als er tatsächlich ist“, meint Marco Triller. In der Sache gebe es zwar klare Unterschiede, auf persönlicher Ebene funktioniere der Umgang aber meist respektvoll. Gerade in der Steiermark sei es üblich, dass man trotz unterschiedlicher Positionen miteinander reden kann, auch wenn das in der Öffentlichkeit oft untergeht.

Abseits der politischen Arbeit beschreibt sein Umfeld Marco Triller als geselligen Menschen. Jemand, der gern unter Leuten ist und den direkten Austausch schätzt. Bei Veranstaltungen in der Steiermark könne es durchaus passieren, dass er länger bleibt als geplant - einfach, weil sich gute Gespräche ergeben. Eine Seite, die viele vielleicht nicht erwarten würden: Marco Triller spielt seit mehreren Jahren Ziehharmonika. Auch wenn dafür im Alltag oft wenig Zeit bleibt, ist die Musik für ihn ein wichtiger Ausgleich. Sie helfe ihm, abzuschalten und neue Energie zu tanken – etwas, das im politischen Alltag nicht zu unterschätzen sei.

Am Ende entsteht das Bild eines Politikers, der weniger auf große Inszenierung setzt, sondern eher auf kontinuierliche Arbeit und klare Strukturen. Einer, der Herausforderungen nicht ausblendet, aber auch nicht dramatisiert. Und einer, der versucht, Politik so zu gestalten, dass sie im Alltag der Menschen tatsächlich ankommt.

  • Aufrufe: 220

Diese Seite verwendet Cookies zur Weiterentwicklung des Angebotes. Cookies, die für den grundlegenden Betrieb der Website verwendet werden, sind bereits festgelegt. Informationen zu den Cookies und wie man diese entfernt finden Sie in unserer Datenschutzbestimmung.

Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite
EU Cookie Directive plugin by www.channeldigital.co.uk