Die Karlau wird nach 200 Jahren heller und menschengerechter

 

Der Umbau der Justizanstalt Graz-Karlau läuft auf Hochtouren. Das Gefängnis, das noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, soll fit für die Anforderungen des Strafvollzugs im 21. Jahrhundert gemacht werden. Im März 2023 wird der erste von vier Flügeln nicht nur heller und moderner, sondern auch noch sicherer sein.

Als das Schloss Graz-Karlau 1803 in ein Gefängnis umgewandelt wurde, waren die Fenster sehr klein und gegen den Himmel gerichtet. So sollten die Insassen für ihre Verbrechen vor Gott Buße tun – ganz im Sinne der Ideologie jener Zeit. Heute gehen solche baulichen Umstände am Sinn und an den Anforderungen eines modernen Strafvollzuges vorbei. Sogar die Volksanwaltschaft hat festgestellt, dass zu wenig natürliches Licht in die Hafträume gelangt und dass geändert werden muss.

Bis Ende 2025 soll es so weit sein: Für diesen Zeitpunkt ist der Abschluss der umfangreichen Umbauarbeiten in der Justizanstalt geplant. Die wichtigste Veränderung: Alle Zellen im ersten Flügel. Wo auch geistig abnorme Straftäter untergebracht sind, werden Einzelhafträume sein, mehrere Häftlinge in einer Zelle wird es ab dann nicht mehr geben. Und auch die Fenster werden größer und trotzdem entsprechend gesichert. Außerdem wird es in jedem Haftraum ein baulich abgetrenntes WC und eine Minidusche geben.

Dafür werden die bisherigen Mehrbett-Zellen in mehrere kleinere Einheiten geteilt. Dadurch geht in der Karlau – inklusive der Außenstelle Lankowitz - nur wenig Kapazität verloren. Statt derzeit maximal 560 Häftlingen werden dann noch rund 510 Insassen Platz finden. Mit den 65 Bauarbeitern, die am Umbau werkeln, kommen die Häftlinge nicht in Kontakt, sie werden aus Sicherheitsgründen nicht zu den Sanierungsarbeiten herangezogen. Die Kosten betragen rund 33 Millionen Euro. Vier Jahre lang wurde detailliert geplant, bevor der erste Handgriff auf der Baustelle erledigt wurde.

Für das Anstaltspersonal sind die Umbauarbeiten eine große logistische Herausforderung. Einmal in der Woche gibt es eine Besprechung mit den ausführenden Firmen und der Bauaufsicht, in der der aktuelle Baufortschritt und die nächsten Schritte dargelegt werden. Der genaue Überblick ist nötig, um die Insassen zeitgerecht innerhalb des Gefängnisses umsiedeln zu können.

Momentan sind wegen der Umbauarbeiten nur bis zu 450 Menschen in der Strafanstalt Graz Karlau inhaftiert, die von 245 Mitarbeitern überwacht und betreut werden. Häftlinge aus 45 Nationen sitzen in dem Gefängnis ein, knapp mehr als die Hälfte von ihnen sind Ausländer. Die verschiedenen Kulturen, Religionen und unterschiedlichen Sozialisierungen führen naturgemäß zu Spannungen unter den Insassen, die aber von den Justizwachebeamten im Regelfall im Griff behalten werden.

Zu den Aufgaben der Justizwache gehört auch die Kontrolle der Zellen. Dafür werden die Häftlinge abschnittsweise aus den Hafträumen geholt, die dann gründlich durchsucht werden. Der Vorgang wird fotografisch festgehalten, um späteren Beschwerden entgegentreten zu können. Sollte übrigens bei den Kontrollen einmal etwas kaputtgehen, werden die Gegenstände den Gefangenen ersetzt. Nach der Durchsuchung wieder aufräumen müssen sie allerdings selbst. Gefunden werden bei den Kontrollen meist verbotene Handys.

Kontrolliert wird auch die Hygiene – sowohl der Hafträume als auch der Häftlinge selbst. Dies dient unter anderem der Gesundheitsvorsorge in der Anstalt.

Sogar Ehen und Verpartnerung werden in der Karlau geschlossen. Denn auch Häftlinge haben in Österreich das Recht zu heiraten. Manchmal übernimmt auch ein Justizbeamter die Rolle des Trauzeugen, weil die Beamten oft Vertrauenspersonen für die Insassen sind.

Für den interimistischen Leiter der Justizanstalt, Gerhard Derler, der uns durch die Baustelle führte, ist ein respektvoller Umgang mit den Insassen wichtig. „Natürlich müssen wir mit den Häftlingen eine ,gesunde Sprache‘ sprechen und klar stellen, wie die Regeln sind. Aber es gibt einen schönen Spruch: Ächte die Tat und achte den Täter. Das ist das Prinzip in unserem Gefängnis.“

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AMS Graz West und Umgebung im neuen Haus und mit neuen Herausforderungen

Seit August hat das Arbeitsmarktservice Graz West und Umgebung eine neue Adresse: In der Grazer Zollgasse 4 wurde der neue Standort eröffnet. Der fünfstöckige Neubau, in einem zarten Mintgrün gehalten, umfasst eine Gesamtfläche von mehr als 6.500 Quadratmetern und ist der Arbeitsplatz von rund 185 AMS-Mitarbeitern.

„Wir freuen uns, unseren Mitarbeitern und Kunden mit dem neuen Haus ein angenehmes, freundliches, ruhiges und helles Ambiente bieten zu können“, erzählt die stellvertretende Geschäftsstellenleiterin Karin Außerhofer. Graz West und Umgebung ist die größte regionale AMS-Geschäftsstelle Österreichs. 12.500 Kunden werden derzeit dort betreut. Der neue Standort ist mit der Buslinie 52 bzw. in wenigen Minuten zu Fuß vom Grazer Hauptbahnhof aus erreichbar und umfasst ebenfalls das AusländerInnenfachzentrum.

Der Geschäftsstellenleiter Christian Namor und seine Stellvertreterin Karin Außerhofer konnten bei der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle zahlreiche Ehrengäste begrüßen. Allen voran Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher, der eigens aus Wien angereist war. Ebenso anwesend waren unter anderem AMS-Vorstandsvorsitzender Herbert Buchinger, Verwaltungsratsvorsitzender Roland Sauer, Soziallandesrätin Doris Kampus, Bürgermeisterin Elke Kahr sowie Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, der die Segnung des neuen Standortes vornahm.

Der Ballungsraum Graz bedingt eine eigene Dynamik auf dem Arbeitsmarkt, schildert Außerhofer. Dies habe sich speziell in der Corona-Pandemie gezeigt. „In kürzester Zeit musste für viele tausend Betroffene die Existenzsicherung gewährleistet werden. Das wir kaum Beschwerden hatten, macht uns stolz und beweist, wie hervorragend unsere Mitarbeiter arbeiten. Dafür möchten Christian Namor und ich ihnen an dieser Stelle danken.“

Eine Herausforderung, so Außerhofer, sei die Qualifizierungsoffensive während der Pandemie gewesen, welche von einer immensen Vermittlungsoffensive abgelöst wurde, bei der alleine durch die Aktion Sprungbrett 2.100 langzeitbeschäftigungslose Personen wieder in Arbeit gebracht wurden. „Plötzlich haben die Unternehmen händeringend Personal gesucht, und das hat unsere Vermittlerrolle massiv in den Vordergrund gerückt. Dies hat ein hohes Maß an Flexibilität erfordert.“ Dass diese vorhanden ist, beweise allein der Umstand, dass Graz West und Umgebung im Vorjahr als beste Geschäftsstelle in der Steiermark ausgezeichnet worden ist und das beste Ergebnis erzielen konnte.

„Derzeit haben wir einen starken Anstieg der Beschäftigung, der unter anderem einen Arbeitskräftemangel mit sich bringt“, konstatiert die stellvertretende AMS-Geschäftsstellenleiterin. „Wir haben eine so geringe Arbeitslosenquote wie schon lange nicht mehr. Die Herausforderung liegt nun darin, die bestehenden Kunden in Arbeit zu bringen, die häufig unter multiplen Vermittlungshemmnissen leiden. So verringern man- gelnde Sprachkenntnisse, gesundheitliche Einschränkungen sowie unpassende Qualifizierungen die Arbeitsmarktchancen.” Es gehe nun darum, all diese Menschen auf ein Sprach- und Fertigkeitenniveau zu heben, mit dem sie in der modernen Arbeitswelt Chancen haben. „Wir haben zum Beispiel ein Gastrozentrum eingerichtet, das niederschwellig kurze Qualifizierungen anbietet, um die Kunden schnellstmöglich für die Arbeit in der Gastronomie fit zu machen.“

Die Bereitschaft zur Weiterbildung ist laut Außerhofer bei den meisten Kunden über alle Bildungsniveaus hinweg vorhanden. „So haben wir Ausbildungssysteme, die bis zu einem Lehrabschluss qualifizieren, aber genauso braucht es niederschwellige Angebote, um die Kunden auf die Anforderungen der Wirtschaft treffsicher und rasch vorzubereiten. Jemand, der in einem Lager aushilft, braucht keine Lehre in diesem Bereich.“ Das AMS dürfe aber auch in dieser Situation nicht aufhören, Fachpersonal zu qualifizieren, ist Karin Außerhofer überzeugt. Vor allem auch das Arbeitskräftepotential der Frauen soll hier gefördert werden und durch Programme wie FiT – Frauen in Handwerk und Technik speziell dazu motiviert werden, Ausbildungen in nichttraditionellen Berufen zu machen. Ausbildungen können auch in Stiftungen oder durch AQUA, also arbeitsplatznahe, absolviert werden. Es gibt viele Möglichkeiten zum neuen Job und der Bedarf der Betriebe ist groß.

So waren im Sommer 2022 um 23 Prozent mehr offene Stellen gemeldet als noch ein Jahr davor. Gleichzeitig ist die Zahl der vorgemerkten Personen in Graz West und Umgebung um fast 2.000 gesunken. „Diese Lücke gilt es durch unterschiedliche Maßnahmen zu schließen, und unter anderem ist das die Vermittlung, Qualifizierung sowie Steigerung der Erwerbsquote“, sagt Außerhofer.

Zur Steigerung der Übersichtlichkeit über den Stellenmarkt hat das AMS zur Unterstützung arbeitsuchender Menschen mit www.allejobs.at ein Jobportal zur Verfügung gestellt, welches alle ausgeschriebenen Stellen in Österreich und dem Grenzraum sichtbar macht und damit die Jobsuche generell verkürzen soll.

Das Arbeitsmarktservice versucht auf vielen Wegen die Chancen auf eine neue Beschäftigung zu erhöhen, und begleitet Arbeitsuchende zum passenden Job.

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3.000 Leichen in 35 Berufsjahren

Gerichtsmedizin ist mehr als das Obduzieren von Leichen, auch wenn die Klärung der Todesursache die Hauptaufgabe der forensischen Mediziner ist. Prof. Dr. Peter Grabuschnigg, der das Diagnostik- und Forschungsinstitut für Gerichtliche Medizin an der Med Uni Graz einige Jahre lang interimistisch geleitet hat, erzählt aus dem Alltag.

Ursprünglich wollte Peter Grabuschnigg Allgemeinmediziner werden. Nach der Lektüre eines Buches des in Fachkreisen berühmten Chefs des Gerichtlich-Medizinischen Institutes an der Universität Graz, Wolfgang Maresch, versuchte er sein Glück auf der Gerichtsmedizin. „Dort bin ich dann in meinen Beruf hineingewachsen, und es hat mich so gepackt, dass ich dabei geblieben bin“, erinnert sich der 64-Jährige.

An die 3.000 Leichen hat Grabuschnigg in seinen 35 Berufsjahren begutachtet und untersucht. Obduziert wird, wenn die Todesursache nicht eindeutig feststeht oder es sich um einen Verdachtsfall durch Fremdeinwirkung handelt, und eine Staatsanwaltschaft eine genaue Untersuchung anordnet.

Je länger der Tod zurückliegt, so der Gerichtsmediziner, desto schwerer sei es, die Todesursache festzustellen. „Besonders schwierig kann es bei einer Exhumierung sein, wo der Tod schon längere Zeit zurückliegt. Dann hängen die Ergebnisse stark von den Umständen der Grabstätte ab. Manche exhumierten Toten sind sehr gut erhalten, andere wieder haben begonnen sich aufzulösen. Dann wird es schwierig, sobald die Weichteile ihre Struktur verloren haben“ erklärt uns Peter Grabuschnigg.

Der Todesfall einer toten Frau, die über ein Jahr lang in einer Jauchengrube lag, war besonders aufwendig, da sich der Leichnam bereits weitgehend zersetzt hatte und der Geruch nur für „bereits daran Gewöhnte“ erträglich war. Der ursprüngliche Verdacht, dass die Frau erschlagen worden sein könnte, konnte jedoch ausgeräumt werden, da die Kopfschwarte keinerlei Rissquetschwunden aufwies und der knöcherne Schädel intakt war.

Eine wichtige Aufgabe sei es auch, die Identität von Toten festzustellen. Bei Bauarbeiten würden des Öfteren Skelette oder einzelne Knochen gefunden. „Dies ist meistens ein archäologisches und kein kriminalistisches Problem“, weiß der Mediziner. „Oft handelt es sich um einen alten Pestfriedhof oder die Reste einer anderen Begräbnisstätte.“

Eine besondere Häufung von Tötungsdelikten in den vergangenen Jahren kann Grabuschnigg nicht bestätigen. „Was wir feststellen, ist eine Zunahme von Messerstechereien. Das hängt wohl auch mit verschiedenen Ethnien zusammen, in denen der Einsatz von Messern bei Auseinandersetzungen üblicher ist als in Österreich.“

Leichenöffnungen können hierzulande auch aus religiösen Gründen nicht verhindert werden, weiß der Gerichtsmediziner. „Im muslimischen Glauben müssen Tote beispielsweise eigentlich 24 Stunden nach dem Ableben begraben werden. Das geht sich mit einer Obduktion nicht immer aus.“

Abgebrüht werde man als Gerichtsmediziner in gewisser Hinsicht schon, räumt Grabuschnigg ein. „Gerüche oder verschiedene Stadien der Verwesung machen einem mit der Zeit nichts mehr aus. Es geht darum, Ergebnisse zu bekommen, da treten unangenehme Begleiterscheinungen in den Hinter- grund.“

Eine ganz andere Sache sei es, wenn man Kinder oder junge Frauen obduzieren müsse. „Das berührt mich natürlich, auch wenn ich bei der Arbeit selbst viel aushalte.“ Mittlerweile nehme er seine Fälle gedanklich nicht mehr mit nach Hause. „Manchmal bringen einen bestimmte Dinge zum Nachdenken, ja, aber meiner Frau erzähle ich schon lange nicht mehr, was ich tagsüber so gemacht habe.“ Es stelle sich eben eine gewisse Routine im Umgang mit Leichen ein.

„Als Gerichtsmediziner muss man eine gewisse medizinische Detektivarbeit leisten, aber das ist auch das Interessante an meiner Arbeit.“ Voreingenommen dürfe er nicht sein, im Gegenteil: „Wir müssen völlig wertneutral an jeden einzelnen Fall herangehen.“ Die endgültige Entscheidung treffe ohnehin ein Gericht. „Ich bin vor Gericht als Gutachter immer darum bemüht, den Sachverhalt so darzustellen, dass er auch von medizinischen Laien verstanden werden kann. Wir sind Vermittler zwischen Recht und Medizin.“ Staatsanwalt und Verteidiger würden naturgemäß verschiedene Ziele haben und deshalb den Gerichtsmediziner unterschiedlich befragen. „Das kann sehr herausfordernd sein, da heißt es, sachliche Ruhe zu bewahren.“

Im Fall eines Gewaltverbrechens kann die Gerichtsmedizin ganz wesentlich dazu beitragen, den zeitlichen Ablauf einer Tathandlung zu rekonstruieren. „Nehmen wir an, jemand wird erstochen, erzählt Grabuschnigg, da ist das Stichmuster ein gänzlich anderes als bei einem Suizid, während bei einem Angriff die Verteilung der Stiche unregelmäßig ist und meist auch Abwehrverletzungen an den Händen und Unterarmen der Opfer zu beobachten sind, werden die Stiche in selbstmörderischer Absicht meist an Körperregionen gesetzt, wo mit einem primären Ableben zu rechnen ist.

Entgegen der landläufigen Meinung gebe es aber auch bei Selbstmördern oft mehrere Stiche. „Es werden so genannte Probierstiche gesetzt, bevor die finalen Stiche stattfinden.“ Nach selbst zugefügten Stichverletzungen, die schließlich zum Tode führen, könnten Menschen jedenfalls oft noch erstaunliche Handlungen ausführen, weiß der Gerichtsmediziner.

Untersucht werden an der Gerichtsmedizin auch lebende Personen. „Wir geben da zum Beispiel im Rahmen von Gerichtsverfahren unsere Expertise zur Schwere der Verletzungen ab und wie sie entstanden sind. Auch die Folgen bis hin zur Berufsunfähigkeit schätzen wir ab.“

Die Meduni leistet hier Pionierarbeit: So gibt es mit der klinisch-forensischen Untersuchungsstelle einen Anlaufpunkt, wo sich die Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt selbst wenden können, ohne vorher Polizei oder Staatsanwaltschaft einzuschalten. „Menschen, die selbst kommen, tun das entweder von sich aus oder werden von einer Hilfsorganisation unterstützt. Wir bieten niederschwellige Untersuchungen an, die Ergebnisse sind mit- unter zu Beweiszwecken maßgebend, sollte der Fall später weiterverfolgt werden.“ „Dann wird auf Art und Ursache der Verletzungen im Rahmen eines Verfahrens gutachterlich eingegangen“ schildert Prof. Dr. Peter Grabuschnigg.

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Sissi und Wolfgang haben sich getraut

Sissi und Wolfgang

Besucher des Grazer All-you-can-eat-BBQ-Restaurants Cooking Wu kennen sie: Xixi Wu, besser bekannt unter dem Vornamen Sissi. Nun hat die immer freundliche, sympathische, in Graz geborene und aufgewachsene Frau mit     chinesischen Wurzeln ihren Wolfgang geheiratet. Die beiden Steirer haben sich in Wien kennengelernt, wo sie seit einigen Jahren leben.

Das erste Mal gesehen hat Wolfgang seine Sissi 2015, als sie in Wien das Asia-Fusion-Restaurant IKO in der Wipplingerstraße 6 mit einer Freundin eröffnete. „Sie hat damals Hotpants getragen, weil es so heiß war“ schwärmt der frisch gebackene Ehemann noch heute. „Es waren kurze Hosen, er übertreibt“, korrigiert ihn seine Sissi lachend. Jedenfalls genügte der Anblick, damit Wolfgang, der in Wien Anwalt für Immobilien- und Gesellschaftsrecht ist, die Nase regelmäßig ans Fenster des Asia Lokals Iko  drückte.

„Es war harte Arbeit, bis sie sich für mich interessierte, es hat Monate gedauert“, erinnert sich Wolfgang. „Ich habe immer so lange gewartet, bis das Mittagsgeschäft vorbei ist, und gehofft, dass ich Sissis Aufmerksamkeit errege. Es dauerte lange, bis wir auf einen Kaffee gegangen sind. Einige Zeit später durfte ich sie sogar zu einem Abendessen einladen.”

In den Schoß gefallen ist die Beziehung dem Anwalt also nicht. „Muss man halt arbeiten daran“, kommentiert seine Frau lakonisch. „Für seine Traumfrau geht man halt ein paar Monate lang gern jeden Tag später essen“, lacht Wolfgang.

Als es dann endlich zwischen den beiden gefunkt hatte, waren Sissis Eltern erst skeptisch. Sie ist die Enkelin von „Onkel Wu”, der 1984 eines der ersten Chinarestaurants in Graz aufgemacht hat, die „Große Mauer“ in der Steinbergstraße, die bis heute als einer der besten Chinesen der Landeshauptstadt gilt. Sissis Vater ist der Sohn von Opa Wu. Er betrieb mit seiner Frau Xiaoling Jie lange das Restaurant Hunan in der Nähe des Feliferhofs, bevor er das Cooking Wu in der Straßgangerstraße gründete. Sissi selbst ging in Graz aufs Gymnasium, studierte BWL, half im Restaurant, machte die Buchhaltung und kümmerte sich darum, gute Mitarbeiter zu bekommen. Anschließend war Sissi für eine große Unternehmensberatungsfirma in Wien tätig.

Die Wus hätten eher erwartet, dass Sissi mit einem Chinesen zusammenkommt. „Aber sie haben relativ bald gesehen, dass Wolfgang im Herzen ein kleiner Chinese ist, und haben ihn akzeptiert“, erzählt Sissi lächelnd. „Uns ist die Familie sehr wichtig, familiärer Zusammenhalt steht an oberster Stelle, und das finde ich bei Wolfgang wieder.“

Im Februar 2018 fragte Wolfgang, ob Sissi ihn heiraten wolle. Es war in Thailand, wo ein Urlaub gebucht war. Wolfgang hatte auch einen Verlobungsring dabei, um zu zeigen, dass er es ernst meint. „Ich habe am Strand mit Windlichtern einen Schriftzug hinstellen lassen: ,Sissi, willst du mich heiraten?‘. Als sie den gesehen hat, ging ich auf die Knie und habe den Ring präsentiert.“ Den hatte der Anwalt selbst gezeichnet und von einem Juwelier anfertigen lassen.“ „Es war sehr emotional, ich konnte gar nicht fassen, was da abgeht. Hatte Schmetterlinge im Bauch und Tränen in den Augen“, erzählt Sissi noch immer emotional.

Eigentlich sollte ihre Hochzeit ja schon vor zwei Jahren stattfinden, aber Corona kam wie bei vielen anderen Paaren auch dazwischen. Der Termin musste mehrmals verschoben werden, was durchaus Folgen hatte. „Ich habe mich in meinen Hochzeitsanzug wieder hineinmagern müssen“, seufzt der Bräutigam. „Wir essen ja beide gern, aber bei Sissi sieht man das nicht, nur bei mir. Zum Glück ist Verzicht meine Stärke! Nein, nicht wirklich, aber es klingt gut“, lacht Wolfgang.

Das Gute an der Corona-Pandemie war, dass wir viel Zeit miteinander verbringen konnten und uns ein Kind wünschten. Das schönste Geschenk, Philippa Philomena, kam dann vor 14 Monaten zur Welt. „Sie hat eine sehr gewinnende Persönlichkeit und ist ein kleiner Baby-Boss. Das hat sie von ihrer Mama. Ich finde mich nur in ein paar Speckfalten der Kleinen wieder“, schmunzelt der stolze Vater. Seine beiden Töchter aus erster Ehe, die 13-jährtige Paula und die 11-jährige Viola, sind ebenfalls von ihrer Schwester begeistert. „Untereinander sind sie wegen jeder Kleinigkeit aufeinander eifersüchtig, aber die Kleine genießt bei ihnen Welpenschutz“, freut sich Papa Wolfgang.

Getraut wurden Sissi und Wolfgang am 27. August vom Dompfarrer des Wiener Stephansdomes. Toni Faber hat mit einer Rede, die unter die Haut ging, das Paar mit verschiedenen Wurzeln zu Mann und Frau gemacht. Gefeiert wurde im Palais Liechtenstein, das elegante Repräsentationsräume für alle möglichen Veranstaltungen bereitstellt. 220 Gäste kamen. Beide nervös, haben x-Mal ihr Ehegelübde gelesen und auch auswendig gelernt. Sissi hat es daheim vor dem Spiegel geübt und sogar dabei geweint, weil sie einfach nur glücklich war und sich auf diesen Tag freute. Bei der Hochzeit selbst gab es dann zum Glück keine Hoppalas“, freut sich das Paar. Das Wetter spielte ebenfalls mit und schickte viel Sonne, die teilweise noch vom Blitzlichtgewitter der anwesenden Chinesen und Fotografen überstrahlt wurde. Für die Fotos musste sich das Brautpaar sehr oft küssen, was aber keine Herausforderung war, sondern die Liebe zueinander besiegelte.

Noch während der Trauung kam die Teezeremonie, welche in China ein wichtiges Ritual vor der Eheschließung ist. Dabei reicht das Brautpaar den Eltern von Braut und Bräutigam Tee, und wenn sie diesen trinken, beweist das, dass die Eheleute in den Familien des anderen aufgenommen wurden und ab sofort zwei Papas und zwei Mamas haben.

Bei der Agape gab es Austern und rosa Champagner, bis das Brautpaar zum Dinner in den Herkules Saal rief. Nach dem Essen gab es eine Feuershow im Garten des Palais Liechtenstein, wo das Brautpaar auch selbst Hand anlegen durfte. Höhepunkt waren dann die Tanzdarbietungen des Brautpaares. Sissi, die ausgesprochen sportlich ist, zeigte mit ihren Freundinnen einen Poledance. Auch Wolfgang ließ es sich nicht nehmen, für Sissi zu tanzen und zeigte mit vier Freunden eine tolle Show als „Back Street Boys“. Die Darbietung wurde mit Applaus gekrönt. Vergessen wird das Brautpaar diesen Tag wohl nie mehr, denn es war einfach eine Hochzeit der anderen Art.

Jetzt geht es für das Brautpaar für drei Wochen auf Hochzeitsreise. Die führt ab Anfang Oktober nach Neuengland an der nordostamerikanischen Küste. „Dort ist der Indian-Summer, in dem sich die dichten Wälder herrlich verfärben“, freuen sich die beiden. Die Stadt Boston und die US-Bundesstaaten Maine und Massachusetts stehen auf dem Reiseprogramm. „Dann geht es nach New York, und von dort aus fliegen wir für zwei Wochen zum Strandurlaub nach Costa Rica. Da ist dann auch Philippa mit von der Partie, sie kommt mit ihrer Großmutter nach New York nach. Länger als ein paar Wochen halten wir es nicht ohne sie aus, das macht uns traurig“, versichern Sissi und Wolfgang unisono.

Wir wünschen Euch nochmals viel Glück und bleibt, wie Ihr seid, ein Traumpaar, nicht nur am Tag der Hochzeit.

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„Reichtum ist nicht das Wichtigste“

Den Zuschauern eines privaten Fernsehsenders ist schon gut bekannt, das südsteirische Multimillionärs-Paar Walter und Susi Temmer. „Reich wie Scheich“ heißt das Format, in dem die Temmers quasi als österreichische Antwort auf die deutschen Reichen „Die Geissens“ auftreten. Wir haben die beiden in ihrem Büro in Leibnitz besucht und die Bekanntschaft von zwei kauzigen, aber zutiefst sympathischen Menschen gemacht.


Empfangen werden wir von Walter Temmer, der uns barfuß und in Badehose in seinem hochmodern eingerichteten Büro begrüßt. Der 43-Jährige redet gern und viel, das ist sofort klar. Er hat immer einen Scherz auf den Lippen, wird aber nie unangenehm. Im Gegenteil: Das Gespräch ist von Anfang bis Ende offen und ehrlich.
Den Grundstock seines Vermögens hat Walter Temmer mit dem Domainhandel gelegt. Er kaufte billig Internetadressen ein, von denen er überzeugt war, dass sie eines Tages viel Geld wert sein würden. Das war vor rund 20 Jahren. Der Millionär hatte des Öfteren ein glückliches Händchen: So sicherte er sich zum Beispiel die Rechte an der Internetadresse „aktien.de“. Um 500.000 Euro verkaufte er sie weiter.


Heute ist er noch immer im Domain-Handel tätig, denn „die Zeit der Möglichkeiten im Internet ist noch nicht vorbei, auch wenn das viele glauben“, ist der Leibnitzer überzeugt.


Über das Internet hat er auch seine Frau Susi kennengelernt. Die Initiative ging von der 28-Jährigen aus. „Ich habe ihn über Instagram kontaktiert, aber nur, weil ich Walter mit einem Wiener verwechselt habe, den ich auf einem Event getroffen hatte und dem er ziemlich ähnlich sieht“, erinnert sich Susi Temmer. „Als ich dann herausfand, dass er gar nicht meine Bekanntschaft aus Wien war, wollte ich mich gar nicht mehr mit ihm treffen.“


Walter bot sogar an, Susi das Benzin für die Anreise aus Oberösterreich zu bezahlen, was sie wiederum lustig fand und sich auf ein Treffen einließ. „Für beide war es allerdings keine Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich der Millionär. Die war vorerst nur einseitig: Susi mochte zwar seine Art und verstand sich mit ihm hervorragend, hatte ihre Gefühle aber durchaus im Griff. Trotzdem ging sie oft mit Walter aus. „Und plötzlich wurde aus reiner Freundschaft mehr!” Das war vor viereinhalb Jahren.


„Heute sind wir nicht nur privat Partner, sondern auch im Business“, sagt Susi und küsst ihren Mann. „Wir sind echte Freunde, das macht unser Leben unglaublich schön. Wir sind beide happy und verstehen uns auf allen Ebenen“, strahlt sie. Für die Liebe hat sie nicht nur ihr Heimatland Oberösterreich aufgegeben, sondern auch ihre Karriere bei Hofer. Dort arbeitete Susi in der Einkaufszentrale und hatte einen gut bezahlten Job.


Arbeit haben die Temmers auch ohne Anstellung genug: „Bei uns ist Büro und Arbeit vermischt, gute Ideen entstehen überall“, versichert Susi. Acht Mitarbeiter haben sie, es sei ein tolles, eingespieltes Team. Gut mit diesem umzugehen, sei selbstverständlich. „Wir behandeln niemanden von oben herab, es wird immer ein Bitte und ein Danke geben. Es ist uns auch wichtig, dass Mitarbeiter respektvoll miteinander umgehen. Wir ziehen alle am selben Strang, das ist unser Credo.“ Walter Temmer nennt ein Beispiel für das hervorragende Betriebsklima: „Eine Mitarbeiterin hat gesagt, hoffentlich bekomme ich kein Corona, ich möchte nicht zu Hause bleiben, denn bei euch ist es so angenehm und lustig zu arbeiten‘.“


Essenziell ist für die Temmers der regelmäßige Auftritt auf Social Media Plattformen. Das gehen sie hochprofessionell an. Ihre Spots werden im hauseigenen Filmstudio gedreht, ein Kameramann und Cutter wurde extra dafür eingestellt. Auch einen Regisseur beschäftigen die Temmers hin und wieder, um neue Video-Ideen umzusetzen.
40 Unternehmen oder Beteiligungen hat Walter Temmer, im Moment beschäftigt er sich stark mit Immobilien. „Wir bauen relativ viele Wohnungen in der Südsteiermark, hier um die Ecke errichten wir gerade 128 Wohnungen, die bald beziehbar sind. Auch Doppelhaushälften sind im Entstehen.“ In Gralla baut er eines der größten Selfstorage-Projekte Österreichs mit zusätzlichen Büros, ein noch größeres ist für Klagenfurt geplant, die Genehmigungsverfahren laufen.


Freizeit bleibt dem Millionärspaar fast keine. „Die vergangenen beiden Jahre war es praktisch null“, gestehen Walter und Susi ein, „wir haben echt 24/7 gearbeitet. Jetzt versuchen wir, uns ein bisschen zurückzunehmen und auch hin und wieder einmal kurz wegzufahren, zum Beispiel nach Velden, um das schöne Kärnten zu genießen.“
Der Reichtum, erzählt Walter, sei ihm nicht in die Wiege gelegt worden: „Meine Eltern haben seit Jahrzehnten in Leibnitz ein Autohaus. Der Papa ist zwar schon in Pension, führt es aber noch immer, ohne sein Geschäft wäre er nicht derselbe.“ Er selbst, so Walter, sei in der Schule nicht der Fleißigste, aber auch nicht der Faulste gewesen. Im letzten Halbjahr vor der Matura habe er von 14 Noten acht Fünfer gehabt. „Ich habe meinem Vater erklärt, dass das in Wirklichkeit ja nur drei sind – in Latein, Englisch und Mathematik – weil in den anderen Fächern nur die Anwesenheit zählt. Naja, im Herbst musste ich zur Wiederholungs-Matura antreten und habe sie natürlich geschafft. Ich war halt ein umtriebiger und sicher nicht einfacher junger Mann“, lacht Walter Temmer

Nach der Matura studierte er Jus und Betriebswirtschaftslehre. „Das habe ich allerdings bald abgebrochen“, erinnert sich der Millionär. Da saßen Leute, die mir erklärt haben, wie man erfolgreich wird. Das waren sie selber aber nicht wirklich. Ich war überzeugt, dass ich es anders machen werde – das ist bis heute so. Das Ärgste war bei einer Marketingvorlesung, bei der mir der Vortragende erzählt hat, wie man Milliarden machen kann. Da wurde mir klar, dass der nicht einmal einen Würstelstand erfolgreich führen könnte.“ Er habe in diesem Moment begriffen, dass bei diesem Studium alle das Gleiche von jemand lernen würden, „der sein Wissen oder Nichtwissen weitergibt, es aber niemals gelebt hat.“


Susi Temmer war im Gegensatz zu ihrem Mann „immer eine Einser-Schülerin“. „Ich hätte ohne Probleme studieren können, aber Geld verdienen war mir wichtiger. Ich wollte meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen, wollte unabhängig sein, mir ein eigenes Auto und eine eigene Wohnung leisten können. Darum habe ich einen guten Job gesucht und bei Hofer auch schnell gefunden. Da kam mir mein Notendurchschnitt zugute, denn damals waren die Aufnahmekriterien bei der Handelskette sehr streng.“
Ihr Reichtum, so die Multimillionäre, sei angenehm, aber nicht das Wichtigste in ihrem Leben. „Wir schätzen es, dass wir viel Geld haben, aber wir jagen ihm nicht hinterher.“ Das Glücklichsein hänge nicht vom Kontostand ab, ist Susi überzeugt. „Glücklich wäre ich mit Walter auch ohne Reichtum. Wir arbeiten einfach fleißig, das Geld ist nur die Belohnung dafür.“


„Ob man es glaubt oder nicht, ich hänge sehr wenig an meinem Geld“, erklärt Walter. „Wenn es plötzlich weg wäre, hätte ich Spaß daran, es noch einmal zu verdienen. Ich würde das positiv sehen, würde in die Hände spucken und neu durchstarten. Vielleicht kann mir ja eine andere Idee wieder Millionen bringen.“
Das Verdiente mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen ist nicht das Ding von Susi und Walter. „Mir ist bei der Kleidung nicht wichtig, ob es Markenware ist“, beteuert Susi. „Ich habe viel zum Anziehen, aber das war alles günstig, ich gehe in ganz normale Geschäfte und will kein Kleid für 100 Euro. Eine Markentussi bin ich nicht. Walter wirft mir manchmal sogar vor, dass ich zu sparsam bin.“


Ihr Ehemann wiederum freut sich, dass seine Susi ist, wie sie ist: „Ich wollte immer eine Frau haben, die sich nicht so für Shopping interessiert, sondern die sich im Unternehmen mit Ideen und Einsatz einbringt. Das ist mir bei meinen vorherigen Partnerinnen immer abgegangen. Ich weiß nicht, was die angesagtesten Taschen bei Louis Vuitton kosten, weil ich daran nicht das geringste Interesse habe – und Susi auch nicht. Eben weil wir uns so ähnlich sind, funktioniert unsere Beziehung so gut; wir können Job, Freizeit und Liebe unter einen Hut bringen.“
Unterschiedlich sind sie allerdings, was die Kreativität angeht. Walter steht morgens mindestens eine halbe Stunde lang unter der Dusche, weil ihm da die besten Ideen kommen. Susi verzweifelt manchmal daran, weil sie lieber strukturiert an Vorhaben herangeht. Sie kann vieles in den Morgenstunden ab 6 Uhr erledigen, aber auch der Sport in den eigenen Fitnessräumen darf nicht zu kurz kommen.

Walters Ideen werden aber danach penibel diskutiert. „Er sprudelt nur so, ich arbeite auch an Einfällen etwas länger.“

An die Öffentlichkeit gegangen sind die Temmers mit ihrem Leben nicht von selbst. Ein privater Fernsehsender habe angefragt und versichert, dass es kein Drehbuch geben werde. „Sie haben gesagt, sie begleiten uns genauso deppert, wie wir sind“, lacht Walter Temmer.
Ein wenig dazu beigetragen hat wahrscheinlich ein Mitarbeiter der Millionäre. „Der von seinem Großvater erzählte, der dachte, dass die Reichen, wie ich einer bin, immer nur wichtig mit dem Sportwagen im Parkverbot stehen und ihnen der Strafzettel wurscht ist.“ Eigentlich habe der Opa recht gehabt, räumt Walter ein. Das Bild des alten Mannes sei aber über den Strafzettel hinausgegangen. „Er hat auch gemeint, dass die Temmers ja ganz lustig sind und nicht nur auf Schickimicki bedacht. Ich gebe zu, ich bin ein bisserl ein Prolet, und das bin ich auch gerne, man muss nicht immer superseriös sein. Mich freut es, dass das dem Großvater gefallen hat. Es gibt auch Reiche, die Spaß am Leben haben und auch mit ganz normalen Menschen gut umgehen können. Ich glaube, wir gehören zu dieser Kategorie.“


Letztlich ist es Walter und Susi Temmer relativ gleichgültig, was andere Menschen von ihnen denken. Vor allem Neider sind ihnen völlig egal. „Man muss damit leben, dass man uns unser Vermögen nicht gönnt. Man kann nicht von jedem gemocht werden, ich akzeptiere das“, versichert Susi.
Walter ergänzt: „Viele Menschen reden darüber und sagen, ,der hat ja nur Glück gehabt‘. Wenn das so ist, habe ich doch alles richtig gemacht und die nicht. Wenn ich jemanden kennen lerne, der noch erfolgreicher ist, dann versuche ich, mir anhand seines Beispiels noch mehr beizubringen. Manchmal gelingt das auch.”
Die Meinung der Anderen über uns sei ihnen egal, sagen die Temmers: „Es ist für uns okay, wenn jemand uns nicht mag, genauso okay ist es auch, wenn man uns mag.“ Echte Freunde seien natürlich sehr wichtig, aber Walter drückt es so aus: „Sagen wir mal, wir haben viele gute Bekannte. Es fehlt die Zeit, um Freundschaften zu pflegen. Aber die Familie ist für uns das Wichtigste.“

Susi kocht gerne, was sich in Corona-Zeiten als Vorteil erwiesen hat. „Wir haben uns am Beginn monatelang eingesperrt und Tag und Nacht gearbeitet. Manchmal haben wir gar nicht richtig mitbekommen, was sich im Zuge der Pandemie so tut“, erinnert sich das Paar.
„In dieser Phase haben wir gesund gelebt“, erzählt Susi. Als Zutaten habe sie genommen, was gesund ist, ihr sind Eigen- kreationen in der Küche wichtig. Momentan gehen Susi und Walter vorwiegend auswärts essen, weil Susi den Buschenschänken und deren „Brettljausn“ niemals wiederstehen kann. „Ich will die Zeit für das Kochen lieber mit meiner Frau verbringen. Den Haushalt erledigt ohnehin unsere Perle Sylvia“, so Walter

Eines ist dem Multimillionär sehr wichtig: Egal, wo er seine Dienste anbietet und sein Geld verdient, die Steuern bezahlt er in Österreich. „Ich will keiner sein, der im Ausland Geld scheffelt und hier keine Steuer bezahlt, aber dann einmal mit einem Scheck für einen guten Zweck wedelt und behauptet, was er doch für ein guter Österreicher ist.“

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„Ich gebe immer mein Bestes“

Als Leiter der Abteilung 16 ist Andreas Tropper für den Verkehr, den Hochbau und rund 1.700 Mitarbeiter des Landes Steiermark verantwortlich. Beim Frühstück mit dem Journal Graz erzählte der Landesbaudirektor von seinem Berufs- und Privatleben.

Ursprünglich hatte Andreas Tropper das Ziel, ein eigenes Zivilingenieurbüro zu betreiben. Nach dem Studium des Bauingenieurswesens in Graz begann er als Statiker in einem solchen Büro zu arbeiten. „Da habe ich schnell bemerkt, dass mir das bloße Rechnen zu wenig ist. Ich brauchte die Baustelle“, erinnert sich der heutige Landesbaudirektor. Mit 29 Jahren wechselte Tropper deshalb zum Land. „Die Stelle als Amtstechnischer Sachverständiger für Eisenbahnwesen und Straßenverkehr war aber auch nicht wirklich mein Traumjob. Allerdings gab es in der Ausbildung dazu viele Stationen, unter anderem in der Verkehrsabteilung.“

Dort kam Andreas Tropper mit dem Projekt Koralmbahn in Berührung. „Da merkte ich, dass große Infrastrukturprojekte genau das sind, was mich wirklich reizt.“ Die Koralmbahn beschäftige ihn bis heute. „Man kann sagen, das ist mein Lebensprojekt, seit 1994 bin ich fast täglich irgendwie damit verbunden.“

In dieser Zeit lernte der Bauingenieur den damaligen SPÖ-Stadtrat Wolfgang Riedler kennen, mit dem er ein Verhandlungsteam bildete. „Wir haben uns gut verstanden, weil wir beide relativ jung waren“, erzählt Andreas Tropper. Als dann der damalige Verkehrslandesrat Hans-Joachim Ressel jemanden für sein politisches Büro suchte, schlug Riedler seinen Bekannten Tropper vor.

„Im Büro war ich eineinhalb Jahre tätig, dann wurde mir Anfang 1998 die Leitung einer Abteilung angeboten. Im Land war das damals fast ein Skandal, weil ich erst 32 Jahre alt war und alle meine Kollegen 60 und darüber“, lacht Tropper. Im Jahr 2004 übernahm er die Abteilung Verkehr, 2008 kam die Baudirektion dazu. Neben der Abteilung 16 Verkehr unterstehen Tropper der Landeshochbau, die sieben Baubezirksleitungen, die Fachabteilung Straßenerhaltungsdienst sowie eine Unterorganisation der Landesbahnen, die den Güterterminal in Werndorf betreibt.

Zweifel, ob er den Anforderungen gewachsen wäre, kamen dem Landesbaudirektor bei keinem Schritt seiner Karriere. „Ich nehme jede Herausforderung an und gebe mein Bestes. Außerdem wollte ich immer führen. Viele Menschen wollen das ja gar nicht, aber ich tue das gerne.“

Extrem wichtig ist Andreas Tropper ein respektvolles Miteinander. „Wir haben unsere Grundsätze zwar schriftlich niedergelegt, im Grunde schauen die Mitarbeiter aber vor allem darauf, wie du das selber vorlebst.“ Er habe seine Führungskräfte in den vergangenen 15 Jahren nach diesen Kriterien ausgewählt. „Deshalb habe ich total tolle Leute, die absolut engagiert sind. Das ist ein lustiges Arbeiten, weil jeder genau weiß, was er zu tun hat.“

Als strengen Chef schätzt sich der Landesbaudirektor nicht ein. Natürlich müssten Arbeiten fristgerecht erledigt werden, aber besonderen Druck müsse er nicht dafür ausüben. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie laut werden müssen“, versichert der Landesbaudirektor. Das Ziel jeder Organisation müsse es sein, Aufgaben effizient zu erledigen.

Seinem politischen Vorgesetzten, LH Anton Lang, tritt der Landesbaudirektor mit Respekt gegenüber. „Das ist keine Lobhudelei, ich habe über Jahrzehnte hinweg erlebt, dass für die Steiermark gearbeitet wurde – über die Parteigrenzen hinweg. Außerdem geht die Politik mit der Verwaltung in unserem Bundesland hochprofessionell um. Und schließlich muss man akzeptieren, dass die Politiker letztlich unsere Chefs sind.“

Generell möchte Andreas Tropper von einer Kultur wegkommen, in der es immer einen Schuldigen geben muss. Zudem dürfe man nicht alles mit Normen überziehen. „Wir müssen wieder mehr Freiraum für Experimente zulassen, das betrifft auch das Bauen.“ Der Baudirektor plädiert für eine gesunde Fehlerkultur. „Fehler passieren, keine Frage. Aber damit kann man es auch wieder gut sein lassen. Es gibt so etwas wie Pech.“ Was Tropper nicht ausstehen kann, ist Dummheit gepaart mit Überheblichkeit. „Eines allein ist auszuhalten, aber diese Kombination ist unschlagbar.“ Auf die Palme bringen ihn auch jede Form von Extremismus und der Versuch, unsere komplexe Welt, einfach zu erklären.

Privat lebt Andreas Tropper eine Mischung aus ländlich und urban. „Ich habe meinen Job mitten in Graz, wo ich das Stadtleben genieße. Gemeinsam mit meiner Lebenspartnerin Sandra wohne ich aber auf dem Land, mit einem Blick zur Koralm und bis nach Marburg. Ein  Idyll, das uns glücklich macht. Es ist die perfekte Kombination.“

Auf die Frage, was er zum Glücklich sein brauche, antwortet der Baudirektor lachend mit einem Zitat des Entertainers Harald Juhnke: „Keine Termine und einen leichten Schwips.“ Für das langfristige Glück, so Tropper, sei auf jeden Fall eine gut funktionierende Partnerschaft und die Liebe zum Beruf entscheidend. „Mit diesen beiden Dingen verbringt man ja seine gesamte Zeit – wenn man nicht gerade schläft.“

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